Deutscher Reporterpreis 2014

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Jedes Jahr werden sie wieder mit Spannung erwartet: Die Nominierungen für den Deutschen Reporterpreis. In diesem Jahr hatten die Vorjuroren besonders viel zu tun: Ganze 1109 Reportagen, Interviews und Essays wollten gelesen und bewertet werden. Darunter finden sich auch Webreportagen, die mit ihrem Zusammenspiel von Videos, Fotos und Text begeistern und die Betrachter noch stärker in den Bann der Erzählung ziehen.

Für 60 gute Texte geht es nun in die nächste Runde. Dem Prinzip des Deutschen Reporterpreises bleibt der Reporter-Forum e.V. auch in diesem Jahr treu: Journalisten vergeben die Preise an Journalisten. Der gemeinnützige Verein Reporter-Forum bietet eine Plattform für Printredakteure, die sich austauschen und unterstützen können. Wir präsentieren hier – thematisch sortiert – einige der besten Reportagen, die für den Deutschen Reporterpreis 2014 nominiert sind:

Reportagen über Flucht, Krieg und Terror:

Und vor uns liegt das Glück

Zehntausende suchen den Weg über das Meer. Sie fliehen vor Krieg, Armut und Hunger. Ihre Zukunft soll den Namen Europa tragen, doch bevor sie dort ankommen, liegt ein tödlicher Weg vor ihnen. Nicht selten ertrinken sie vor der Küste. Wolfgang Bauer hat sich als Flüchtling getarnt und hat sich auf diese lebensgefährliche Reise gemacht. (lat)

30 Min.

 

Krieg im Frieden

Die deutschen Soldaten sind seit 13 Jahren in Afghanistan. Im Krieg. Wenn Sie zurückkommen ins friedliche Deutschland, soll für sie eigentlich alles gut werden. Doch der Krieg lässt sie nicht los. Wie geht Deutschland mit seinen Soldaten um? Henning Sußebach erzählt für die ZEIT ihre Geschichte. (lat)

15 Min.

 

Boko Haram

Plötzlich Schüsse während der Andacht, Sprengstoff fliegt durch die Kirchenfenster. Maschinengewehrsalven: die Attentäter schreien “Allahu akbar”, dann schneiden sie denen, die noch nicht tot sind, die Kehle durch. Die Terrorgruppe “Boko Haram” in Nigeria ist einer der gefährlichsten der Welt. Internationale Öffentlichkeit bekamen sie zuletzt als sie 200 Schülerinnen entführten. GEO-Reporter Michael Obert versucht das Gefährlichste überhaupt: er will Boko Haram treffen. (lat)

30 Min.

 

Reportagen über Arbeit und Ausbeutung:

Herr Hibbe macht zu

Herr Hibbes’ Schulweg führte als kleiner Junge über die Kaufhausrolltreppe seines Vaters. Heute, nach 115 Jahren Bestand, muss er das Kaufhaus schließen. Die Kunden kaufen im Internet. Ein Laden in der Stadtmitte ist zu teuer geworden. Statt “Kinder! Hände weg von der Rolltreppe” nun “Customer awareness”: ZEIT-Reporter Henning Sußebach schreibt, wie ein gut laufendes Kaufhaus untergeht. Nur “Ist das wirklich ein Verlust?” (ved)

15 Min.

 

Lebendtransport

Erhan Kurt sorgt ständig für Nachschub. Er kann auch kurzfristig liefern und versetzt damit seine Heimat Stück für Stück. Der Bulgare arbeitet bei einer Tagelöhner-Agentur in Hamburg Wilhelmsburg. Kurt wirbt in bulgarischen Dörfern Tagelöhner an. Er lockt sie mit den Arbeitsbedingungen und der Aussicht auf ein besseres Leben in Deutschland. (lat)

15 Min.

 

Fünf Tonnen am Tag

Die Deutschen sind Weltmeister im Bestellen. Geliefert werden die Waren von DHL-Paketboten wie Stefan Maier. Vom Kühlschrank bis zur Weinbestellung schleppt er Tag für Tag viele Tonnen – unterbezahlt und ständigem Druck. Anne Kunze hat ihn begleitet und zeichnet in ihrer Reportage ein präzises Portrait der Ausbeutung. Am Ende steht auch die Frage im Raum: Müssen wir wirklich so viel bestellen? (lubi)

15 Min.

 

Reportagen über Gesundheit und das Alter:

Herzenssache

Franziskas starkes Herz soll weiterschlagen. Auch wenn Franziska schon tot ist. Hirntot. Ihre Eltern entscheiden sich für eine Organspende: ein Entscheidung, die den Abschied noch schwerer macht. Reporterin Nataly Bleuel begleitet die Eltern und ist bei jedem Schritt der Organentnahme dabei. Eine Herzenssache und eine Reportage, die schmerzt. (lat)

15 Min.

 

“Schau mal Chef, das Meer! Erkennst du es?”

Wenn Edeltraud Büttner mit ihrem Mann verreist, packt sie 40 Windeln, Sondernahrung und Analtampons ein. Ihr Mann ist ein Pflegefall. Aber kein Grund, nicht zu verreisen. Über einen Urlaub auf Pflegestufe III. (lat)

15 Min.


Reportagen über die Vergangenheit – und ihre Aufarbeitung:

Webreportage: Die Narbe der Stadt

Wo früher scharf geschossen wurde, ist heute ein Radweg. 167 Kilometer um und durch Berlin, entlang der ehemaligen Mauer. Die Journalistin Ute Keseling ist ihn geradelt. Am Wegesrand begegnen ihr viele Erinnerungen an die Deutsche Teilung. Eine interaktive Webreportage über das Früher und Heute am Todesstreifen. (lubi)

60 Min.

Heim in die Hölle

Ein ungemachtes Bett reichte: Für Schläge, Folter, Vergewaltigung. Jerry Cooper kehrt an den Ort zurück, wo er vor 53 Jahren gebrochen wurde: Das Erziehungsheim “Florida School for Boys”.  Jahrzehntelang hat Cooper über seine Erlebnisse geschwiegen. Das hat jetzt ein Ende. (lat)

15 Min.

 

“Bitte verzeih mir. dein lieber Sohn”

Rico wurde elf Jahre. Er hat sich umgebracht. Er war ein fröhlicher, kluge Junge. Rico hat eine Familie zurückgelassen, einen Vater, eine Mutter und zwei Schwestern. Warum hat er sich umgebracht, was hat ihn dazu getrieben? Auch diese Frage lässt er zurück. Erwin Koch hat die Familie getroffen, die sich drei Jahre nach Ricos Selbstmord entschlossen hat, mit ihm über ihren Sohn und Bruder zu sprechen. (lat)

15 Min.

 

“Er fehlt mir so”

Das eigene Kind wird zum Massenmörder, zum „Amokläufer von Winnenden“. Die Welt zerbricht. Gefühle und Worte werden unsagbar. Tim Kretschmer hat 15 Menschen getötet und sich selbst. Die Eltern sind nach der Tat untergetaucht. Haben ihren Namen gewechselt. Jetzt versuchen sie das Unmögliche und sprechen über ihren Sohn und seine Tat. (ved)

15 Min.

 

Reportagen über außergewöhliche Menschen:

Die Polizei, dein Freund und Vater

Der Polizist Carlos Benede ist verschlossen, pragmatisch und für die ganz üblen Fälle zuständig. Häusliche Gewalt, Mord, Missbrauch. Er kümmert sich um die Opfer dieser Verbrechen, oft Kinder. Schließlich adoptiert er einen Jungen, dessen Mutter vom Vater ermordet wurde. Und das ist erst der Anfang. Die Geschichte eines erstaunlichen Menschens und Beamtens. (jei)

15 Min.

Die Liebe seines Lebens

Cornelius Gurlitt ist aus der Zeit gefallen. Was da draußen in der Welt passiert, das interessiert ihn schon lange nicht mehr.  Doch die Welt wurde auf ihn aufmerksam – auf ihn und seine Bilder. In der Presse firmieren sie nur noch als der “Kunstschatz von Schwabingen”. Journalisten und Fotografen lauern ihm auf. Anwälte und Politiker streiten über die Kunstwerke aus seiner Wohnung. Gurlitt versteht nicht, warum dieses ganze Unglück gerade ihm passieren musste. Er will jetzt nur noch Stille und seine Bilder zurück. (lat)

Abflug

Lange hat er gebraucht, um seine Rolle zu finden: Vom Politik-Kasper hat sich Guido Westerwelle zum seriösen Außenpolitiker gewandelt. Jetzt muss er sich um sein politisches Vermächtnis sorgen. Alexander Osang hat Westerwelle in seinen letzten Tagen im Amt begleitet. Ein einfühlsames Portrait ist entstanden. (lubi)

15 Min.

 

Skurrile Reportagen:

Mehr Punk, weniger Hölle!

Die Partei entstand aus eine Art politischen Gruppensex und war absolut nicht ernst gemeint. Was folgte war der Wahlsieg. In der größten finanziellen Krise Islands haben die Bürger einen Anarchisten gewählt. Ein irres politisches Experiment – das sich auch noch gelohnt hat. (lat)

15 Min.

 

Nass und Gewalt

Wenn es über 30 Grad wird, ist Ausnahmezustand: Idiotenwetter. Dann kann im Columbiabad, dem vielleicht gefährlichsten Schwimmbad der Republik, alles passieren – bis hin zur Messerstecherei. Doch die Bademeister wollen nicht aufgeben. Eine Reportage wie eine Arschbombe: Knallt und zieht rein! (lat)

15 Min.