Die besten Reportagen 2012

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Das war ein geschichtenreiches Jahr: Die Reportagen in deutschsprachigen Medien haben uns 2012 an Orte geführt, an denen wir noch nie waren und zu denen wir es unmöglich geschafft hätten. Wir waren im syrischen Bürgerkrieg, haben im Irak nach Frieden gesucht und haben uns nach Bangladesch begeben, wo die Arbeitsbedingungen immer noch schlecht sind. Gleichzeitig haben wir das Neue im Altbekannten entdeckt: Reporter haben uns gezeigt für wen der Problem-Bezirk Neukölln so etwas wie das Paradies ist. Wir haben gelernt wie es einem arbeitslosen Fliesenleger gelingen konnte, eines der größten Raubkopiernetzwerke in der Geschichte des Landes aufzubauen.

Wir haben über 100 Reportagen gelesen, ausgewertet und dann in der LiesMich-Redaktion abgestimmt: Hier sind unsere besten Reportagen aus dem Jahr 2012. Es sind berührende und aufrührende Stücke, ungewöhnliche Einblicke und glanzvolle Ausblicke. Die meisten dieser Geschichten bleiben deutlich länger als ein Jahr im Gedächtnis.

 

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  • Der Tod kommt von oben

    von Wolfgang Bauer | erschienen am 12.09.2012 in Die ZEIT

    Der kurze Weg zum Bäcker kann den Tod bedeuten: Mit Kampfjets, Hubschraubern und Scharfschützen kämpft Syriens Diktator Assad gegen die Rebellen – und trifft dabei besonders die Zivilbevölkerung. Ohne Strom verstecken sich viele Syrer in ihren Kellern, versuchen den nächsten Tag im Kriegsgebiet zu überleben. Wolfgang Bauer war vor Ort in Aleppo und berichtet auch von der Hoffnung die aufflammt, wenn der Strom mal wieder geht. (lubi)

    30 Min.

 

  • Der große Verführer

    von Özlem Topçu, Stefan Willeke | erschienen am 19.01.2012 in Die ZEIT

    Seine Anhänger nannten ihn den “Obama von Altona”. Bülent Çiftlik war die Hoffnung der Hamburger SPD, in der türkischen Community galt er als Star. Çiftlik war jung, fleißig, kam von unten und wollte ganz nach oben. Doch auf dem Weg dorthin hat er sich in dubiose Machenschaften verstrickt. Er soll eine Schein-Ehe eingefädelt und abkassiert haben. Ein weiterer Vorwurf: Wahlfälschung. Die ZEIT-Journalisten Özlem Topçu und Stefan Willeke haben den gefallenen Jungpolitiker getroffen und versuchen herauszufinden, wie es soweit kommen konnte. Das Porträt eines Mannes, der weiß, wie sich die Hoffnungen anderer benutzen lassen. (lat)

    45 Min.

 

  • Im freien Fall

    von Alex Rühle, Kai Strittmatter | erschienen am 20.02.2012 in Süddeutsche Zeitung

    Die Nachrichten aus Griechenland kommen tagtäglich und meist sind sie schlecht. Griechenland spart nicht genug, heißt es. Die Troika schimpft, deutsche Politiker drohen, die griechische Regierung zerbricht beinahe, lenkt letztlich ein und das Volk protestiert und streikt. Dieser Ablauf wiederholt sich gefühlt alle paar Wochen. Die SZ-Reporter Alex Rühle und Kai Strittmatter schreiben in ihrem Text nicht über Wirtschaftsbilanzen und den neusten Verhandlungskrach. Sie schreiben über die Menschen: über Eltern, die ihre Kinder nicht mehr ernähren können. Über Akademiker, die plötzlich obdachlos sind. Über eine griechische Mittelschicht am Abgrund. (lat)

    15 Min.

 

  • Paradies Neukölln

    von Özlem Gezer | erschienen am 02.04.2012 in DER SPIEGEL

    In Deutschland gehört Berlin-Neukölln zu den ärmsten Vierteln der Republik. Im Roma-Dorf Fântânele haben sie ein anderes Wort für Neukölln: Paradies. Hunderte Bewohner des kleinen Dorfs haben sich seit dem EU-Beitritt Rumäniens auf den Weg nach Berlin gemacht. Das hat einen Grund: Die Roma haben gelernt die Hintertüren des Sozialsystems zu nutzen. Jetzt beziehen sie Hartz IV und Kindergeld – und verdienen in Neukölln mehr als sie in ihrem Dorf mit der Schweinezucht je verdienen könnten. Spiegel-Journalistin Özlem Gezer beschreibt den Traum der Roma von einem besseren Leben. Es ist ein Traum, der den deutschen Sozialstaat an seine Grenzen bringt. (lat)

    30 Min.

 

  • Das Leben nach dem Tod in Utøya

    von Lara Fritzsche | erschienen am 12.07.2012 im ZEIT Magazin

    Die 18-jährige Sofie schreibt ihrer Freundin Lejla jeden Tag Dutzende SMS. Über ihren Schulalltag, über die Popmusikerin Rihanna und Jungs. Doch Lejla antwortet nie. Sie ist tot. Der Attentäter Anders Breivik erschoss sie vor einem Jahr auf der norwegischen Insel Utøya. Wie Sofie geht es vielen Angehörigen der 77 Todesopfer. Lara Fritzsche schreibt in ihre ZeitMagazin-Reportage über das Leben nach dem Massaker. Berührend schildert sie, wie Sofie versucht ihr Leben weiterzuleben. Ein tiefer Blick hinter das nationale Trauma Norwegens. (lat)

    15 Min.

 

  • “Mami, kannst du mich loslassen?”

    von Erwin Koch | erschienen am 29.01.2012 in Welt am Sonntag

    Sarah hat noch nie von der Krankheit gehört, als sie die Diagnose bekommt: Leukämie. Die Chancen der 14-Jährigen, wieder gesund zu werden, stehen bei 90 Prozent. Sarah beginnt die Therapie, sie hat noch viel vor. Sie gründet eine Band, sie will nach Amerika. Tagein, tagaus nimmt sie Medikamente, hat Schmerzen, streitet mit der Schwester. Ihre Haare fallen aus, sie verliert Kraft. Mal geht es besser, mal wieder schlechter. Erwin Koch rekonstruiert für die Welt am Sonntag Sarahs vier Jahre währenden Kampf gegen den Krebs. Er schreibt über den Wechsel von Hoffnung und Verzweiflung – bis zum Ende. (lat)

    30 Min.

 

  • Wege der Hoffnung

    von Andreas Wenderoth | erschienen am 03.08.2012 im Süddeutsche Magazin

    Was muss eigentlich passieren, damit ein Kind aus seiner Familie genommen wird? Wenn Misshandlungen offensichtlich sind, ist die Entscheidung klar. Aber wenn Kinder und Eltern aneinander hängen – und das Kindeswohl trotzdem in Gefahr ist? Wenn Kinder nur sporadisch in den Kindergarten gebracht werden, ein Dreijähriger noch nie ein Kinderbuch gesehen hat oder das Essen genau so wie das Aufräumen vergessen werden? Andreas Wenderoth hat für das SZ-Magazin zwei überforderte Familien portraitiert: eine depressive Mutter und verwahrloste vierfache Eltern. (jei)

    30 Min.

 

  • Der Getriebene

    von Heike Faller | erschienen am 25.10.2012 im ZEIT Magazin

    Jonas wird niemals ganz glücklich sein. Er darf es nicht sein, wenn er ein guter Mensch bleiben will. Jonas ist pädophil – und er will alles tun, damit er nicht zum Täter wird. Er nimmt an einer Therapie der Charite teil. Heike Faller vom Zeitmagazin begleitet ihn ein Jahr bei seinem Kampf gegen das eigene Verlangen. Sie porträtiert kein Monster, sondern einen Menschen vor einer der schwersten Aufgaben überhaupt. Wird Jonas den Kampf gewinnen oder verlieren? (lat)

    15 Min.

 

  • Die Modelüge

    von Florian Willershausen | erschienen am 28.09.2012 in Wirtschaftswoche

    Faire Arbeitsbedingungen versprechen inzwischen alle Modehändler – vom Discounter bis zur Edelmarke. Doch in vielen Fällen verbirgt sich dahinter eine reine PR-Taktik, wie Reporter Florian Willershausen herausfand. Undercover war er in Bangladesch unterwegs, wo ihm Fabrikbesitzer bereitwillig Einblicke in ihre Hallen gewährten und erstaunlich offen über die schlechten Arbeitsbedingungen sprachen. Als er die europäischen Modemarken damit konfrontierte, versteckten diese sich hinter fragwürdigen Prüfberichten oder blockten gleich ganz ab. (lubi)

    30 Min.

 

  • Die Zeiten des Filmvorführers

    von Johannes Gernert | erschienen am 19.05.2012 in der Taz

    Anfang 2008 gründet der Teppichverleger Dirk B. die bisher größte illegale Filmplattform in Deutschland: kino.to. Während Tausende die Filme im Netz sehen, verdient er Millionen mit der Werbung auf der Seite. Johannes Gernert erzählt die Geschichte von kino.to wie einen Hollywoodfilm – und weckt Verständnis für beide Seiten.

    30 Min.

 

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