Deutscher Reporter Preis 2013

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Quelle: Reporter-Forum

Obwohl der Deutsche Reporterpreis erst seit vier Jahren vergeben wird, ist er schon eine feste Größe: Journalisten vergeben hier Preise an Journalisten. Gegründet wurde der Preis vom Reporter-Forum e.V. Das ist ein Netzwerk, in dem sich Printjournalisten über Reportagejournalismus austauschen und gemeinsam daran arbeiten noch bessere Reportagen zu schreiben. Jährlich wählen renommierte Journalisten in unterschiedlichen Kategorien herausragende Texte aus. Insgesamt waren in diesem Jahr 66 Artikel nominiert. Wir haben hier die Gewinnerliste und unsere Lieblingsstücke aus der Nominiertenliste:

 

 

Die Gewinner

 

Beste Reportage:

von Claas Relotius | erschienen am 09.03.2013 in # Reportagen-Magazin

Er ist einer der schlimmsten Gewaltverbrecher der USA – erinnern kann er sich daran aber nicht mehr. Ronald Montgomery sitzt seit vier Jahrzehnten im Hochsicherheitstrakt. Seit er vergisst, hält er das ganze aber für einen Vergnügungspark und nicht für ein Gefängnis. Montgomery hat Alzheimer. Ein Problem, das die amerikanische Justiz übersehen hat, als sie Straftäter zu lebenslangen Haftstrafen verurteilte. Etwa 5.000 Fälle sind in den USA bekannt, die Dunkelziffer ist höher. Die Alzheimerkranken im Knast werden oft Opfer der anderen Häftlinge: sie werden beklaut und missbraucht. In Kalifornien sollen jetzt andere schwere Straftäter wie Mörder und Vergewaltiger die Alzheimerkranken pflegen. Kann das gutgehen? (lat)

30 Min.

 

Beste Politische Reportage:

von Anita Blasberg und Kerstin Kohlenberg| erschienen am 22.11.2012 in # Die Zeit

Für die meisten Menschen ist klar: es gibt so etwas wie eine Klima-Erwärmung. Genau dagegen kämpfen von der Industrie bezahlte PR-Manager an. Sie ringen um Öffentlichkeit und versuchen die Deutungshoheit zu behalten – auch wenn sie dafür lügen müssen (lat)

30 Min.

 

Bestes Interview:

von Hajo Schumacher und Benjamin von Stuckrad-Barre| erschienen am 23.06.2013 in # Die Welt am Sonntag

Zwei Männer, ein Schlaganfall: Der Regisseur Jürgen Flimm und der Spitzenpolitiker Jörg Schönbohm haben im vergangenen Jahr beide plötzlich einen Schlaganfall gehabt. Beide waren dem Tod noch nie so nah. Offen, ehrlich, witzig und gleichzeitig nachdenklich sprechen sie über die Erfahrung und darüber, was wirklich wichtig ist. (lat)

30 Min.

 

Bester Essay:

von Wolfgang Uchatius | erschienen am 28.02.2013 in # Die Zeit

In der Wirtschaft geht es immer ums Wachstum. Das lernt man schon in der Schule. Warum eigentlich? Wolfgang Uchatius erzählt anhand des fiktiven, typischen 18-Jährigen, warum eine Generation antritt, die einfach genug hat. Wider das Wachstum. (lat)

30 Min.

 

Bester freier Reporter:

von Andrea Jeska | erschienen am 29.11.2012 in # Die ZEIT

Das Vorhaben schien von Anfang an aussichtslos, vielleicht auch nur verrückt: Einen Wald mitten in die Sahel-Zone setzen, ein Paradies mitten in der Wüste –  das ist der Traum von Bauer Bacouba Sawadogo. Er pflanzt, giesst und ackert. Und gibt seinem Dorf in Burkina Faso damit viel mehr als die ganzen Entwicklungshelfer: Zuversicht. (lat)

30 Min.

 

Beste Lokal-Reportage:

von Lucas Vogelsang, Meral Al-Mer | erschienen am 09.03.2013 in # Der Tagesspiegel

Diese Frau war in Ostberlin eine Legende: Tittengitti. Eine Frau, die jeder irgendwie kennt und doch keiner. Die Taxifahrer, die Kneipenbrüder und Klatschbasen – alle haben sie eine Geschichte zu erzählen über Honeckers It-Girl, die Schwerstalkoholikerin, Opern-Diva und Stasi-Spionin. Viele Mythen und Gerüchte ranken sich um Tittengitti. Wer war sie, was trieb sie an und wohin ist sie plötzlich verschwunden? Zwei Reporter des Tagesspiegels durchkämmen die alte Ostberliner Kneipenszene. Ihr Ziel: Tittengitti finden. (lat)

15 Min

 

von  Eva Sudholt | erschienen am 04.08.2013 in #Berliner Morgenpost

Ein Nachruf auf einen, der sonst keinen bekommen hätte. Jürgen Kindel war Obdachloser und das in einem der reichsten Bezirke Berlins: im Zehlendorfer Villenviertel Dahlem. Wie Jürgen wurde, was er war, weiß keiner mehr. Er war plötzlich da, schlief auf dem Friedhof, neben den Promi-Gräbern, bettelte vor dem Kaisers und schimpfte im Gebüsch vor sich hin. Jetzt ist er weg. Die einen sagen Gott sei Dank, ein Freund trauert um ihn (lat).

15 Min.

 

Freistil:

von Bernhard Albrecht | erschienen am 02.08.2013 in # Süddeutsche Magazin

Wird ein Kind vor der 23. Schwangerschaftswoche geboren, gilt es als Spätabort: nicht lebensfähig. Frieda und ihr Zwillingsbruder kommen auf die Welt, nachdem sie gerade einmal 21 Wochen im Mutterleib waren. Die Ärzte wollen sie sterben lassen. Die Eltern verlangen gegen jede Vernunft, dass alles versucht wird, um die Zwei zu retten. Eines der Kinder stirbt qualvoll, das andere ist heute 2 Jahre alt. Die bewegende Reportage feiert den Mut von Ärzten und Eltern und stellt zugleich die Frage: Darf Medizin immer alles, was sie kann? (jei)

30 Min.

 

 Beste Webreportage:

von Dirk Gieselmann | erschienen am 29.05.2013 in #11 Freunde

Pointiert, schnell und nie um ein Foto, Youtube-Video oder Link verlegen. So macht ein Fußballticker Spaß – selbst, wenn man sich gar nicht so für Fußball interessiert. (lat)

15 Min.

 

Unsere Lieblingsstücke aus der Nominiertenliste:

von Takis Würger | erschienen am 24.06.2013 in # Der Spiegel

Im Flüchtlingslager Saatari in Jordanien herrschen Chaos, Wut und Kriminelle. Der Entwicklungshelfer Kilian Kleinschmidt soll das beenden. Zwischen Hilfsorganisationen, die vor allem arbeiten, wenn Kameras in der Nähe sind, Flüchtlingen, die auf Helfer los gehen, und der Mafia, die aus alldem Profit schlägt, sucht er einen Weg, Ordnung zu schaffen. Und den Menschen ihre Würde wieder zu geben. (jei)

15 Min.

von Heike Faller | erschienen am 25.10.2012 in # ZEITmagazin

Jonas wird niemals ganz glücklich sein. Er darf es nicht sein, wenn er ein guter Mensch bleiben willl. Jonas ist pädophil – und er will alles tun, damit er nicht zum Täter wird. Er nimmt an einer Therapie der Charite teil. Heike Faller vom Zeitmagazin begleitet ihn ein Jahr bei seinem Kampf gegen das eigene Verlangen. Sie porträtiert kein Monster, sondern einen Menschen vor einer der schwersten Aufgaben überhaupt. Wird Jonas den Kampf gewinnen oder verlieren? (lat)

15 Min.

von Julia Friedrichs | erschienen am 14.07.2013 in # Die ZEIT

Die Berliner Urbanstraße hat eine gute und eine schlechte Seite. Auf der guten wollen Eltern für ihre Kinder nur das Beste. Es gibt Babyenglischstunden und Breikochkurse. Auch auf der schlechten Seite wollen Eltern für ihre Kinder nur das Beste. Sie werden es aber nicht bekommen. Julia Friedrichs hat für ihre eindrückliche Reportage beide Seiten besucht – und ist mitten in der deutschen Bildungskluft gelandet. (jei)

15 Min.

von Mario Kaiser | erschienen am 22.03.2013 in # Süddeutsche Magazin

Der arbeitslose Gerüstbauer Andreas Läufer wollte sich mit einer Fahrradwerkstatt selbstständig machen. Doch dann legte ihm die Bürokratie Steine in den Weg. Läufer bricht mit dem Sozialstaat, er geht freiwillig in die Obdachlosigkeit und schlägt sich fortan auf eigene Faust durch. Über zwei Jahre hat Mario Kaiser den Aussteiger begleitet. Entstanden ist ein intensives und einfühlsames Porträt eines Manns, der alles hinter sich gelassen hat…und trotzdem glücklich wirkt. (lubi)

45 Min.

von Michael Obert | erschienen am 19.07.2013 in # Süddeutsche Magazin

Die Hölle liegt auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel, nicht weit entfernt von Tourismus-Hochburgen wie Sharm El-Sheikh. Menschenhändler quälen, foltern und töten dort entführte Flüchtlinge.  Sie pressen Handynummern von Verwandten und Freunden aus Männern und Frauen heraus – dann folgt der Anruf, die Lösegeldforderung, die Folter. Die Flüchtlinge gehören zu den Ärmsten der Armen auf der Welt – nur wenige können das Geld bezahlen. Tausende Leichen sollen in der Wüste verrotten. Reporter Michael Obert war an einem Ort, der alle Menschlichkeit verloren hat. Ein erschütterndes Stück. (lat)

30 Min.

von Takis Würger | erschienen am 15.04.2013 in # Der Spiegel

Mit 50 sind Boxer fertig: Die Reaktionen hin, die Knochen müde. Andreas Sidon kämpft trotzdem weiter. Sein Leben hat immer im Ring gespielt. Der 50-Jährige hat oft einstecken müssen. Außerdem ist er krank: er hat eine Ablagerung in seiner Halsschlagader. Ein Schlag dorthin und er könnte sterben. SPIEGEL-Journalist Takis Würger hat ihn zu seinem letzten Kampf begleitet und seine mitreißende Geschichte aufgeschrieben. (lat)

15 Min.

von Thomas Feix | erschienen am 08.06.2013 in # Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung (FAS)

Der Trick ist Wiederholung: Links, vorne, rechts, Schulter. Das ist das Mantra von Fahrschullehrer Werner Sudhoff. Er fährt seit 36 Jahren Berlins Straßen mit Fahrschülern ab. Auch mit hoffnungslosen Fällen.  Thomas Feix war für die FAZ bei einer Fahrstunde dabei. (lat)

15 Min.

von diverse | erschienen am 16.07.2013 in # Die ZEIT

Für Radrennfans ist sie das ungebremste Glück: Die Tour de France. Seit 100 Jahren ranken sich Mythen und Skandale um das Rennen. ZEIT Online hat in einer innovativen Multimedia-Reportage drei Geschichten aus dem größten Radrennen der Welt aufgeschrieben. Mit dabei die Geschichte eines Mannes, der die Tour als Hobby nachfährt und einem Doping-Sünder, der wieder in der Pedale tritt. (lat)

30 Min.

von Kathrin Spoerr | erschienen am 01.10.2013 in # Die Welt

Erst Ehe, dann Scheidung und dazwischen: eine ernste und liebevolle Beziehung. Eigentlich schien zwischen Annette und Michael alles perfekt: sie haben sich in einer Disco kennengelernt und sich sofort verliebt. Sie ziehen zusammen, kriegen zwei Kinder. Doch der Alltag zermürbt und wo einst Liebe war, zieht der Hass ein. Nachbetrachtung einer Ehe: einmal erzählt er, einmal sie. (lat)

30 Min

von Benjamin von Stuckrad-Barre | erschienen am 28.10.2012 in # Welt am Sonntag

Benjamin von Stuckrad-Barre hat abgeschlossen mit dem Alkohol: Nüchtern geht er auf Stehempfänge und Veranstaltungen und ist von Menschen umgeben, für die der Rausch fester Bestandteil der Abendgestaltung ist. Er ist dabei, aber doch außen vor. Mit Verve erregt er sich über Heuchler, die ihn als Nüchternen beneiden. Satz für Satz skizziert er das Bild einer merkwürdigen Gesellschaft. Einer Gesellschaft an der Flasche. (lubi)

30 Min.