Henri Nannen Preis 2013

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Der Henri Nannen Preis ist einer der bedeutendsten Journalistenpreise in Deutschland. Mit ihm werden seit 2005 (zuvor Egon-Erwin-Kisch-Preis) herausragende journalistische Leistungen des jeweiligen Vorjahres ausgezeichnet. Die Stifter des Preises sind der Verlag Gruner + Jahr und das Magazin stern. Der Henri Nannen Preis wird in fünf Kategorien verliehen: Reportage, investigativer Journalismus, Dokumentation, Humor und Foto-Reportage. Hinzu kommen Sonderpreise für Pressefreiheit und „publizistisches Lebenswerk“. Eine Jury aus bekannten Journalisten nominiert die Texte und kürt daraus die jeweiligen Preisträger. Der Henri Nannen Preis 2013 wurde am 26. April in Hamburg vergeben. Großer Sieger war die Wochenzeitung ZEIT, welche in den Kategorien Reportage, Investigation und Dokumentation ausgezeichnet wurde.

 

Sieger: Die beste Reportage 2013

 
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  • Der Getriebene

    von Heike Faller | erschienen am 25.10.2012 im ZEIT Magazin

    Jonas wird niemals ganz glücklich sein. Er darf es nicht sein, wenn er ein guter Mensch bleiben willl. Jonas ist pädophil – und er will alles tun, damit er nicht zum Täter wird. Er nimmt an einer Therapie der Charite teil. Heike Faller vom Zeitmagazin begleitet ihn ein Jahr bei seinem Kampf gegen das eigene Verlangen. Sie porträtiert kein Monster, sondern einen Menschen vor einer der schwersten Aufgaben überhaupt. Wird Jonas den Kampf gewinnen oder verlieren? (lat)

    15 Min.

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Aus der Begründung der Jury:

„Journalisten und Strafverteidiger verbindet der Umstand, dass sie mitunter das Handeln, Denken und Fühlen von Menschen zu erklären versuchen, die eigentlich niemand näher kennenlernen möchte. Über ein halbes Jahr trifft sich die Reporterin Heike Faller regelmäßig mit Jonas, der eine Therapie an der Berliner Charité macht. Jonas ist pädophil. Bisher hat er kein Kind missbraucht. Dafür hat er Tausende von Kinderpornos gesehen. Heike Faller schildert seinen Kampf an zwei Fronten: gegen seine Neigung – und gegen seine Angst, sich der Familie zu offenbaren. Nichts an dem Text verrät, was Heike Faller selber von dem Pädophilen hält, sie protokolliert Fortschritte und Rückfälle mit kühler Sachlichkeit. Vielleicht ist es gerade diese Haltung, die es möglich macht, dass ein Leser irgendwann ungewollt beginnt, Anteil zu nehmen, vielleicht sogar so etwas wie Verständnis zu empfinde n. Heike Faller ist eine bemerkenswerte Reportage gelungen, eindringlich, herausfordernd, brillant formuliert, intensiv in der Wirkung. Möglicherweise gar mit Langzeitwirkung: weil diese Nahaufnahme ein Schutz sein kann vor vorschnellen Urteilen – gerade dann, wenn der differenzierte Blick so schwer fällt.“

 

Weitere Leseempfehlungen:

Wir haben die Auswahlliste der Jury vorab ebenfalls unter die Lupe genommen und viele weitere spannende Reportagen entdeckt. Hier unsere ganz persönlichen Leseempfehlungen aus allen nominierten Reportagen:

 

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  • Träume in Infrarot

    von Nicola Abé | erschienen am 10.12.2012 im SPIEGEL

    Irgendwo in den USA steuert ein Soldat Drohnen, die im Krieg gegen den Terror auf der anderen Seite der Welt Menschen töten. Er ist sehr gut in diesem Job. Irgendwann diagostizieren die Ärzte bei ihm eine Posttraumatische Belastungsstörung – obwohl er nie im Feld war. Nicola Abés Reportage zeigt, wie trügerisch die Hoffnung auf einen sauberen Krieg ist. (jei)

    30 Min.

 

 

  • Politik. Macht. Einsam.

    von Jens König | erschienen am 18.10.2012 im stern

    Gregor Gysi lebt für die Politik. Für die Aufmerksamkeit, die Nähe und Macht, die sie ihm gibt. Und sie zerstört ihn: Er hat mehrere Herzattacken hinter sich, er hat seine Familie und viele Freunde verloren. Er hat alles versucht, alles gegeben für die Droge Politik und doch wollen seine Pläne nicht aufgehen. Jens König hat für den stern ein schonungsloses Porträt über Gregor Gysi geschrieben. Ein Mann, der beschlossen hat an der Politik zu Grunde zu gehen. (lat)

    15 Min.

 

  • Die Blutspur des Onkels

    von Anita Blasberg | erschienen am 22.03.2012 in Die ZEIT

    Thomas S. soll seine Nichten im Schlaf überfallen haben. Der mutmaßliche Doppelmörder hat die Kinder erstickt, erschlagen, erdrosselt. Er hat sie “übertötet”, wird später in der Anklageschrift stehen. Der Kraillinger Doppelmord schockierte im vergangenen Jahr das Land. Ein Gericht versucht nun das Unfassbare zu klären. Warum hat der Onkel seine Nichten umgebracht, war es wirklich wegen einem vermeintlichen Erbe? Anita Blasberg geht für die ZEIT der Geschichte von Thomas S. und seiner Familie nach. (lat)

    30 Min.

 

  • Herr Pak

    von Thomas Gutschker | erschienen am 29.07.2012 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)

    In Nordkorea ist man nie allein. Jedem Besucher des abgeschotteten Staats wird ein Führer an die Seite gestellt. Damit sich der Besucher nicht verläuft und nicht mit Koreanern redet. Reporter Thomas Gutschker macht daraus das Beste: er schreibt kurzerhand ein Porträt über seinen Aufseher Herrn Pak und zeichnet so gleichzeitig ein genaues Selbstbild der nordkoreanischen Diktatur. (lat)

    15 Min.

 

  • Papa Ed

    von Barbara Hardinghaus | erschienen am 07.04.2012 im SPIEGEL

    82 Kinder hat Ed Houben bisher gezeugt. Sein Samen war schon in ganz Europa für Menschen mit Kinderwunsch die letzte Rettung – und für ihn selbst irgendwie auch. Barbara Hardinghaus portraitiert einen Mann, dessen Leben erst einen Sinn ergab, als er entdeckte, dass er Leben spenden kann. (jei)

    30 Min.

 

  • Kopf oder Körper

    von Kerstin Kullmann | erschienen am 25.06.2012 im SPIEGEL

    Der Junge Alex will schon im Kleinkindalter als Mädchen leben. Jetzt, kurz vor der Pubertät, will Alex, dass die Entwicklung ihres männlichen Körpers aufgehalten wird. Die Mutter willigt ein, der Vater lehnt ab. Die Gutachter sind uneins. Und während die Pubertät immer näher rückt, die Alex körperlich zum Mann machen wird, bleibt die Frage: Ab wann darf ein Kind über sein Geschlecht selbst entscheiden? Und wer darf es wann an seiner Stelle tun? (jei)

    30 Min.

 

  • Mayers Krieg

    von Alexander Osang | erschienen am 10.09.2012 im SPIEGEL

    Für Oberstleutnant Martin Mayer hat der Kampf schon lange vorher begonnen. Über Monate hat Mayer versucht alles zu tun, um sein Bataillon auf den Krieg in Afghanistan vorzubereiten. Er hat Trauerseminare besucht, war im Schweigekloster und hat Schutzengel aus Holz an seine Männer verteilt. Doch genügt das als Vorbereitung? Spiegel-Reporter Alexander Osang schreibt über die letzten Tage eines Bataillons, bevor es in einen aussichtslosen Krieg zieht. (lat)

    30 Min.

 

  • Der Sonderbotschafter

    von Alexander Osang | erschienen am 03.12.2012 im SPIEGEL

    Eigentlich ist Jürgen Todenhöfer ein alter Mann, zur Ruhe setzen kann er sich trotzdem nicht. Todenhöfer war jahrelang Abgeordneter, er hat für den Burda-Verlag gearbeitet, seit der Rente hat er sich noch größere Aufgaben gesucht: Todenhöfer tingelt durch die Welt. Mal ist er in Syrien, dann im Iran. Sein Ziel: Die Welt verbessern. Spiegel-Journalist Alexander Osang über einen Mann, der den Frieden sucht. (lat)

    15 Min.

 

  • Eine andere Liga

    von Thomas Pletzinger | erschienen am 20.09.2012 im ZEIT Magazin

    Dirk Nowitzki hat es diesseits und jenseits des großen Ozeans geschafft. Er ist der Ausnahme-Basketballer, seine Fans nennen ihn „Saint Dirk“, ihrer Meinung nach hat er das Spiel an sich verändert, ja sogar revolutioniert. Der Schriftsteller Thomas Pletzinger hat selbst einmal Basketball gespielt, ist für ihn Zehn-Minuten-Interview nach Dallas geflogen und will die unerzählte Geschichte von Dirk Nowitzki aufschreiben. Für das ZEITmagazin versucht er das Geheimnis schlechthin zu lösen: Wieso ist Nowitzki besser als alle anderen? (lat)

    30 Min.

 

  • Das dunkle Tal seiner Kindheit

    von Paula Scheidt | erschienen am 17.03.2012 in der taz

    Bis in die 1970er Jahre wurden tausende Pflegekinder in der Schweiz auf Bauernhöfe gebracht. Viele von ihnen wurden dort zur harter Arbeit gezwungen, gequält und gedemütigt. Peter Weber ist eines der so genannten “Verdingkinder”. Seine Geschichte zeigt, wie tief die psychischen Wunden heute noch sitzen. Paula Scheidt über ein dunkles Kapitel in der Schweizer Geschichte. (lubi)

    15 Min.

 

  • Drei Winter lang

    von Waltraud Schwab | erschienen am 31.03.2012 in der taz

    Deutsche Geschichte in einem Berliner Mietshaus: Ein alter Mann erzählt, wie er und seine Frau im Krieg eine jüdische Familie bei sich versteckt haben. Auch die Studentin Waltraud Schwab wohnt in dem Haus, lässt sich die Geschichte immer wieder erzählen. Dann beschließt sie, der Sache nachzugehen – und findet die Tochter der damals Versteckten. Eine Reportage als Puzzlespiel, bei dem am Ende alle Teile zusammenkommen. (lubi)

    15 Min.

 

  • Geschichte einer Behinderung

    von Karin Steinberger | erschienen am 28.11.2012 in der Süddeutschen Zeitung

    Für Christian Klein macht der neue Rollstuhl alles aus: Davon hängt ab, ob er seine Familie besuchen, ob er abends in die Kneipe, kurz: ein Leben führen kann, wie er es sich wünscht. Klein sitzt seit 14 Jahren im Rollstuhl – er braucht einen neuen, doch seine Krankenkasse möchte sparen. Sie argumentiert: Überlebenswichtig ist ein neuer Rollstuhl nicht. Die Geschichte einer Behinderung. (lat)

    15 Min.

 

  • Die Doris-Show

    von Tanja Stelzer | erschienen am 20.09.2012 in DIE ZEIT

    Doris-Schröder Köpf steht im Schatten ihres Mannes: Wo sie hinkommt, war Gerhard Schröder schon da. Einerseits wäre sie ohne ihn nie so weit gekommen – andererseits wird ihr genau das zum Vorwurf gemacht. Tanja Stelzer hat Doris-Schröder Köpf im Wahlkampf begleitet. Sprachlich brillant schildert sie den Kampf einer Frau, die nicht länger bloß “Kanzlergattin” sein will. (lubi)

    30 Min.

 

  • Wege der Hoffnung

    von Andreas Wenderoth | erschienen am 03.08.2012 im Süddeutsche Magazin

    Was muss eigentlich passieren, damit ein Kind aus seiner Familie genommen wird? Wenn Misshandlungen offensichtlich sind, ist die Entscheidung klar. Aber wenn Kinder und Eltern aneinander hängen – und das Kindeswohl trotzdem in Gefahr ist? Andreas Wenderoth hat für das SZ-Magazin zwei überforderte Familien portraitiert: eine depressive Mutter und verwahrloste vierfache Eltern. Die Betreuer vom Amt bemühen sich hartnäckig. Am Ende schafft es nur eine Familie, ihre Kinder zu behalten. (jei)

    15 Min.

 

  • Im Herz der Finsternis

    von Andreas Wenderoth | erschienen am 23.02.2012 im stern

    Über den Berliner Club “Berghain” ist schon viel geschrieben worden. Viele Mythen ranken sich darum, wen der Türsteher reinlässt und wen nicht, was in den Dark-Rooms passiert und welche verrückten Drogen die Feierwütigen hier alle schmeißen. stern-Reporter Andreas Wenderoth greift diese Geschichten auf, heftet sich an eine Feierclique und webt daraus so etwas wie wie eine Reisereportage – in das Herz der Finsternis oder ganz einfach: ins Feierparadies Berghain. (lat)

    30 Min.

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