Henri Nannen Preis 2014

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Der Henri Nannen Preis ist einer der bedeutendsten Journalistenpreise in Deutschland. Mit ihm werden seit 2005 (zuvor Egon-Erwin-Kisch-Preis) herausragende journalistische Leistungen des jeweiligen Vorjahres ausgezeichnet. Die Stifter des Preises sind der Verlag Gruner + Jahr und das Magazin stern. Der Henri Nannen Preis wird in fünf Kategorien verliehen: Reportage, investigativer Journalismus, Dokumentation, Humor und Foto-Reportage. Hinzu kommen Sonderpreise für Pressefreiheit und „publizistisches Lebenswerk“. Eine Jury aus bekannten Journalisten nominiert die Texte und kürt daraus die jeweiligen Preisträger. Der Henri Nannen Preis 2014 wurde am 16. Mail in Hamburg vergeben.

 

Sieger: Die beste Reportage 2014

 

Die Liebe seines Lebens

von Özlem Gezer | erschienen am 18.11.2013 in # Der SpiegelGesellschaft

Cornelius Gurlitt ist aus der Zeit gefallen. Was da draußen in der Welt passiert, das interessiert ihn schon lange nicht mehr.  Doch die Welt wurde auf ihn aufmerksam – auf ihn und seine Bilder. In der Presse firmieren sie nur noch als der “Kunstschatz von Schwabingen”. Journalisten und Fotografen lauern ihm auf. Anwälte und Politiker streiten über die Kunstwerke aus seiner Wohnung. Gurlitt versteht nicht, warum dieses ganze Unglück gerade ihm passieren musste. Er will jetzt nur noch Stille und seine Bilder zurück. (Cornelius Gurlitt ist am 6.05.2014 gestorben)

15 Min

Ausgezeichnet mit dem Henri Nannen Preis 2014. 

 

Die Texte aus der Endauswahl:

Viele der nominierten Texte haben auch wir mit LiesMich im vergangenen Jahr empfohlen. Preiswürdig wären sie alle gelesen – hier kommen unsere ganz persönlichen Lesetipps:

 

Im Reich des Todes

von Michael Obert | erschienen am 19.07.2013 in # Süddeutsche MagazinPolitik

Die Hölle liegt auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel, nicht weit entfernt von Tourismus-Hochburgen wie Sharm El-Sheikh. Menschenhändler quälen, foltern und töten dort entführte Flüchtlinge.  Sie pressen Handynummern von Verwandten und Freunden aus Männern und Frauen heraus – dann folgt der Anruf, die Lösegeldforderung, die Folter. Die Flüchtlinge gehören zu den Ärmsten der Armen auf der Welt – nur wenige können das Geld bezahlen. Tausende Leichen sollen in der Wüste verrotten. Reporter Michael Obert war an einem Ort, der alle Menschlichkeit verloren hat. Ein erschütterndes Stück. (lat)

30 Min.

 

Die Seeschlacht

von Henning Sußebach | erschienen am 16.05.2013 in # Die ZEITGesellschaft

Es sind nur ein paar Koordinaten, doch sie verändern alles: 54° 5′ Nord und 10° 53′ Ost. Das war der Punkt, an dem Reinhard Fahlbusch von einer Motorjacht überfahren wird. Die Jacht Predator ist 22 Meter lang, 5,40 Meter breit, hat 3600 PS Motorleistung – und als Fahlbusch wieder an die Wasseroberfläche kommt, ist sein Unterleib zerfetzt. Am Steuer des Schiffs stand ein vermögender Unternehmer, er nimmt das Unfallopfer mit an Bord und bringt es an Land. Er hat sich danach nicht mehr gemeldet, sich nie entschuldigt, sondern Anwälte eingeschaltet. ZEIT-Journalist Henning Sußebach erzählt im Dossier nicht nur die Geschichte eines Unfalls, es geht um mehr: Um die Feindschaft zwischen Wassersportlern und Bootbesitzern und letztlich die Grundsatzfrage, wem das Meer gehört. (lat)

30 Min.

 

 

Warum muss Joy hungern?

von Anita Blasberg, Marian Blasberg | erschienen am 10.10.2013 in # Die ZEIT

Die Säuglinge sterben meist sofort. Die Vierjährigen können weder stehen noch laufen, selten wiegen sie mehr als zehn Kilo. Das macht der Hunger in Kenia mit den Kindern. Dabei gäbe es genug Lebensmittel. Die ZEIT-Journalisten Anita und Marian Blasberg haben Bauern, Händler und Wissenschaftler getroffen. Dabei zeigen sie, wie mit Lebensmitteln spekuliert wird und dass es niemanden gibt, der sich in der Verantwortung sieht. (lat)

30 Min.

 

Der Broker vom Bosporus

von Özlem Gezer | erschienen am 28.10.2013 in # Der Spiegel, Gesellschaft

Mal ruft er aus Zürich an, mal dirket von der Wall Street. Yaman Kar arbeitet für international agierende Telefonabzocker und verkauft Aktien, die es nicht gibt.  Der Deutschtürke operiert von Istanbul aus,  telefoniert von einem Wohnzimmer, das er sich als Callcenter eingerichtet hat.  Sein Lieblingsopfer: ein pensionierter  Studienrat in Deutschland,  der das große Geld an der Börse machen will und alles verliert. Özlem Gezer hat für den Spiegel beide Männer getroffen (lat)

15 Min.

 

Kalte Sonne

von Holger Gertz | erschienen am 19.02.2013 in # Süddeutsche Zeitung, Kultur

Blondes Haarteil, Dauerlächeln, Schlager. Heino galt lange vor allem als peinlich, jetzt ist er plötzlich cool. Heino selbst findet das ganz logisch. Journalist Holger Gertz findet es in erster Linie erstaunlich. Dabei ist es eigentlich sogar ziemlich gruselig. Denn wer das unbekannte Wesen hinter der schwarzen Sonnenbrille ist, kann auch das starke Portrait nicht abschließend klären. (jei).

15 Min.

 

“Rico”

von Erwin Koch | erschienen am 25.11.2013 in # Die Welt, Gesellschaft

Rico wurde elf Jahre. Er hat sich umgebracht. Er war ein fröhlicher, kluge Junge. Rico hat eine Familie zurückgelassen, einen Vater, eine Mutter und zwei Schwestern. Warum hat er sich umgebracht, was hat ihn dazu getrieben? Auch diese Frage lässt er zurück. Erwin Koch hat die Familie getroffen, die sich drei Jahre nach Ricos Selbstmord entschlossen hat, mit ihm über ihren Sohn und Bruder zu sprechen. (lat)

15 Min.

 

Die Lüge ihres Lebens

von Elisabeth Raether, Tanja Stelzer | erschienen am 07.11.2013 in # Die ZEIT, Gesellschaft

Diese Lüge verfolgt Sonja ihr ganzes Leben: Als Mädchen wirft sie ihrem Vater vor, dass er sie vergewaltigt hat. Drei Mal. Sie sagt vor Gericht aus und täuscht die Therapeuten und Richter. Der Vater kommt sieben Jahre ins Gefängnis. Unschuldig. Sonja gründet eine Familie, versucht ihr Leben weiterzuführen, doch die Schuld verfolgt sie. 17 Jahre nach dem Vorwurf, gibt sie zu, alles nur ausgedacht! Zwei Geschichten über die Wahrheit: Einmal aus Sicht der Tochter, einmal aus Sicht des Vaters. (lat)

30 Min.

 

Der Mörder als Pfleger

von Claas Relotius | erschienen am 09.03.2013 in # Reportagen-Magazin

Er ist einer der schlimmsten Gewaltverbrecher der USA – erinnern kann er sich daran aber nicht mehr. Ronald Montgomery sitzt seit vier Jahrzehnten im Hochsicherheitstrakt. Seit er vergisst, hält er das ganze aber für einen Vergnügungspark und nicht für ein Gefängnis. Montgomery hat Alzheimer. Ein Problem, das die amerikanische Justiz übersehen hat, als sie Straftäter zu lebenslangen Haftstrafen verurteilte. Etwa 5.000 Fälle sind in den USA bekannt, die Dunkelziffer ist höher. Die Alzheimerkranken im Knast werden oft Opfer der anderen Häftlinge: sie werden beklaut und missbraucht. In Kalifornien sollen jetzt andere schwere Straftäter wie Mörder und Vergewaltiger die Alzheimerkranken pflegen. Kann das gutgehen? (lat)

30 Min.

 

Angst

von Takis Würger | erschienen am 15.04.2013 in # Der Spiegel, Sport

Mit 50 sind Boxer fertig: Die Reaktionen hin, die Knochen müde. Andreas Sidon kämpft trotzdem weiter. Sein Leben hat immer im Ring gespielt. Der 50-Jährige hat oft einstecken müssen. Außerdem ist er krank: er hat eine Ablagerung in seiner Halsschlagader. Ein Schlag dorthin und er könnte sterben. SPIEGEL-Journalist Takis Würger hat ihn zu seinem letzten Kampf begleitet und seine mitreißende Geschichte aufgeschrieben. (lat)

15 Min.

 

Die Angst des Friedhofs vor dem Tod

von Henning Sußebach | erschienen am 31.10.2013 in # Die ZEIT, Gesellschaft, Wirtschaft

Lange Zeit war Totengräber ein Job mit sicherer Zukunft, gestorben wird ja immer. Aber das stimmt nicht. Es gibt immer weniger Menschen in Deutschland und die sterben immer seltener. Henning Sußebach war für die Zeit auf Europas größtem Friedhof – und schreibt über eine Branche im Überlebenskampf. (lat)

30 Min.

 

Die Liste aller nominierten Texte findet ihr auf der Website des Henri Nannen Preises – also: hier!