Das dritte Lidice

von Kilian Kirchgeßner ✩ erschienen am 27.05.2012

Nachdem Lidice zerstört worden war, wurde der Ort über sechzig Jahre eingefroren und zum Museum seiner selbst gemacht. Nichts durfte sich dort verändern, mahnen sollte er, mit den wenigen Überlebenden als Museumshütern. Denn die Nazis hatten Rache gewollt für das einzige Attentat, das Widerstandskämpfern je geglückt war. Und es erwischte diesen Ort. Er wurde zerstört, die Menschen entweder sofort umgebracht oder erst verschleppt und dann umgebracht. Jetzt ziehen auf einmal wohlhabende Städter aus Prag ein – und machten das 460-Seelen-Fleckchen zu einem Vorort von Prag wie jeden anderen. Wären da nicht die Straßen, die fast alle an die Nazi-Gräuel erinnern, und die Busse, die in der Gedenkstätte am Rande des Dorfs im Jahr über 50.000 Touristen ausspucken und wieder einsammeln. (alx)

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