Die Kinder von Torgau

von Renate Oschlies ✩ erschienen am 05.07.2012

Ein wichtiger Ideologe der DDR-Heimpädagogik platziert nach der Wende einen verharmlosenden Artikel im Lehrbuch einer renommierten Hamburger Uni. Die Realität in den Heimen sei geprägt gewesen von „allumfassender Fürsorge“. Auf die Beschwerde einer Studentin reagiert die Hochschule höflich, aber bestimmt: Zensur der Wissenschaft käme nicht in Frage. Erst auf politischen Druck hin ringen sich Vertreter der Uni zu einem Besuch im berüchtigten Torgauer Heim und einem Treffen mit Opfern durch. Renate Oschlies hat das ernüchternde Zusammentreffen für die Berliner Zeitung dokumentiert. (jei)

15 Min.

Was hängenbleibt

von Timo Frasch ✩ erschienen am 06.07.2012

Wer einmal das Abitur bestanden hat, der sollte es doch noch einmal bestehen können. Das denkt Faz-Autor Timo Frasch als er sich 14 Jahre nach seinem Abitur noch mal für die Abschlussprüfung an seinem bayrischen Gymnasium anmeldet. Doch er täuscht sich und das gleich mehrmals: wenig ist hängen geblieben. Das Abitur hätte er wohl nicht bestanden, aber immerhin ist ein lesenswerter Text dabei herausgekommen. (lat)

15 Min.

Die Packungsbeilage

von Roland Schulz ✩ erschienen am 29.06.2012

Sie gehört zur deutschen Apotheke wie der weiße Kittel und das rote A: die Apotheken Umschau. Die auch Rentner-Bravo genannte Zeitschrift wird gern belächelt. Dabei behauptet sie sich seit über 40 Jahren mit noch immer wachsendem Erfolg in einer Marktnische, inzwischen verkauft sie sich besser als Spiegel, Stern und Focus zusammen. Roland Schulz hat dem unscheinbaren Blättchen für das SZ Magazin nachgespürt. Er findet das Geheimnis seines Erfolges im inzwischen 92-jährigen Verleger der „AU“ – und in einer Verkaufsstrategie, die manche Apotheker charmante Erpressung nennen. (jei)

15 Min.

Wir, das gute Monopol

von Edo Reents ✩ erschienen am 26.06.2012

Edo Reents hat sich für die FAZ die Verwertungsgesellschaft Gema von allen Seiten angesehen – er war beim Vorstandsvorsitzenden zu Besuch, bei der Mitgliederversammlung und vor deren Tür, bei einer Gegen-Gema-Demo. Und alle Seiten scheinen ein bisschen Recht zu haben. Die Gegner der Gema sind ebenfalls Monopolisten, die Leidtragenden der neuen Abgabenpolitik scheinen die Nischenkultur und Diskotheken zu sein. Engagierte Gema-Mitglieder sind nicht unbedingt die eh schon Reichen und Berühmten, sondern Menschen wie ein 83 Jahre alter Textdichter von Chorliedern, ein Verfechter der Atonalität und ein 50-jähriger Elektronik-Musiker. (alx)

15 Min.

Gottes Mühlen

von Nadine Ahr ✩ erschienen am 05.07.2012

30 Jahre lang hat Bauer Josef K. sein Geheimnis bewahren können. Bis sein bester Freund redet. Josef K. hat als junger Mann seine schwangere Freundin umgebracht. Warum er das getan hat, wie er damit leben konnte  – all das ist nur schwer herauszufinden, denn Josef K. tut das, was er die letzten Jahre auch gemacht hat: Er schweigt. Nadine Ahr schreibt in ihrer Kriminalreportage für die ZEIT über tröstende Gewissheit und späte Gerechtigkeit. (lat)

30 Min.

Aurich, aber wahr

von Jan Rübel ✩ erschienen am 29.06.2012

Nur eines ist sicher: Enercon stellt Windräder her – seit Jahrzehnten, erfolgreich auch jetzt während der Branchenkrise. Alles andere dagegen – Umsatz, Zahl der Mitarbeiter, Arbeitsbedingungen, Produktionsstätten: streng geheim. Jan Rübel versucht für brand eins das Portrait eines geheimniskrämerischen Unternehmens, dessen Boss alle nur „den Alten“ nennen. Zwar spielt dabei auch der amerikanische Nachrichtendienst NSA eine Rolle, vor allem aber das symbiotische Zusammenwachsen eines Konzerns mit einer Stadt: Die Stadtverwaltung Aurichs liest dem Unternehmen jeden Wunsch von den Augen ab, Enercon hat dafür den Aufschwung der einst maroden Kommune maßgeblich befördert. Blick auf eine mitunter merkwürdige Verbindung. (jei)

15 Min.

Der Mann, der Günter Wallraff war

von Marcus Jauer ✩ erschienen am 25.06.2012

Wie fühlt es sich eigentlich an Deutschlands bekanntester Enthüllungsjournalist zu sein? Weiß Undercover-Legende Günter Wallraff das nach seinen ganzen Rollen selbst überhaupt noch? FAZ-Redakteur Marcus Jauer startet den Selbstversuch. Im Theater lässt er sich eine Latexglatze aufs Haupt drapieren und läuft einen Tag lang durch Berlin. Auf der Suche nach dieser besonderen Wallraff-Perspektive und nach der nächsten großen Enthüllungsgeschichte – doch das erweist sich als schwieriger als erwartet. (lat)

15 Min.

Das rastlose Leben eines Schlagersängers

von Susanne Schneider ✩ erschienen am 22.06.2012

Jürgen Drews ist vielen peinlich. Seit 40 Jahren sing der Schlagersänger die gleichen Lieder. Susanne Schneider hat ihn für das SZ Magazin begleitet: sie beobachtet ihn, wenn er mit Fans spricht, auf Mallorca auftritt und zum Halbplayback singt. Auf ihre Reise mit Drews lernt sie, dass Jürgen Drews sich all die Jahre im Showgeschäft treu geblieben ist. Mehr noch: langsam gewinnt er an Coolness-Faktor. (lat)

15 Min.