Was es heißt, ein Mann zu sein

von Marcus Jauer ✩ erschienen am 16.09.2012

Christian Wulff lebte das Leben eines Durchschnittsmannes: sein beruflicher Weg war von Sicherheitsdenken geprägt, seine Identität von der Arbeit in einer Organisation bestimmt. Jetzt erlebt er den Alptraum jedes Durchschnittsmannes: Das Scheitern auf ganzer Linie, beruflich, gesellschaftlich und finanziell. Wenn alle Sicherheiten wegbrechen und nur Trümmer der eigenen Existenz bleiben – was macht mann dann eigentlich? Marcus Jauer verbindet in seinem Text für die FAZ Wulffs Sturz elegant mit der Frage nach dem Schicksal des deutschen Durchschnittsmannes in Zeiten beängstigender Umbrüche. (jei)

Mein Leben, ohne ich zu sein

von Clara-Sophie Zink, Nora Jakob ✩ erschienen am 03.09.2012

Jenny ist 23 Jahre alt. Eigentlich aber ist sie erst vor 12 Monaten auf die Welt gekommen. Denn die Frau ist das eigentliche Ich eines Jungen, der schon früh weiß, aber erst spät offen sagen kann: das ist nicht mein Körper. Ich bin transsexuell. In dem anrührenden fluter-Stück erzählt Jenny aus der Ich-Perspektive: vom Ekel der christlichen Eltern. Vom Mobbing durch die Mitschüler. Von der Erleichterung, endlich von zu Hause weg und sie selbst sein zu können. Und von dem Druck, den sie heute noch spürt, wenn sie ihre Eltern besucht. Denn dann spielt sie noch immer den Jungen, der sie nie war. (jei)

15 Min.

Ein anderes Leben

von Alexander Gorkow ✩ erschienen am 13.08.2011

ARCHIV Matthias Brandt ist Schauspieler und ein Sohn Willy Brandts. Aufgewachsen in einer zerfallenden Familie rund um den gequälten Politiker, bleibt dem Erwachsenen der Erfolg als Schauspieler zwanzig Jahre lang verwehrt – wegen seines merkwürdigen Gesichts, das jetzt plötzlich alle wollen, wie er selbst sagt. Alexander Gorkow zeigt in seinem mit dem  Theodor-Wolff-Preis ausgezeichneten Portrait einen Mann zwischen Tragik und Kömodie. (jei)

15 Min.

Blühende Landschaften

von Jens Blankennagel ✩ erschienen am 11.09.2012

Daniel Seidel ist auf gefährlicher Spurensuche: Der Munitionssucher streift in Brandenburg durch das ehemalige „Bombodrom“, in der Kyritz-Ruppiner Heide und sucht nach explosiven Überresten der Geschichte. Hier übte erst die Sowjetarmee für den Krieg, nach der Wende wollte die Bundeswehr das Gelände für ihre Manöver nutzen. Lange kämpfte die Friedensbewegung für die Auflösung des Standorts. Mit Erfolg: Die Heide wird jetzt zum Teil an eine Stiftung übergeben, ein Naturschutzgebiet soll entstehen. Doch auch wenn nicht mehr scharf geschossen wird, liegen tausende Blindgänger der letzten Jahrzehnte immer noch im Boden verborgen. Bis die Heide wieder zum Erholungsgebiet wird, werden noch viele Jahre vergehen. (lubi)

15 Min.

Am laufenden Band

von Annette Kögel ✩ erschienen am 1.09.2012

Joseph Kibunja läuft nicht wegen der Medaillen und er wird auch nie eine gewinnen. Er führt den blinden Marathonläufer Henry Wanyoike zur Ziellinie. Er sieht für Wanyoike und führt ihn durch die Kurven. Verbunden sind die beiden Kenianer mit einer Kordel. Annette Kögel porträtiert für den Tagesspiegel die beiden Läufer, die sich fast schon ihre ganzes Leben lang kennen und seit Jahren von Wettlauf zu Wettlauf reisen. Die Prämie teilen sie, denn sie kommen immer gemeinsam ins Ziel. (lat)

15 Min.

Von einem, der sich kümmert

von Veronica Frenzel ✩ erschienen am 03.09.2012

Für Benjamin Marx sind die Roma eine Lebensaufgabe: sein Religionslehrer rettete hunderte von ihnen vor den Nazis. Er selbst kaufte für die katholischen Kirche das so genannte Romahaus in Neukölln und machte es zu einem Vorzeigeprojekt. Jetzt ist er in das rumänische Dorf gereist, aus dem die meisten Hausbewohner stammen. Was er da will? Noch mehr für die in ganz Europa angefeindete Volksgruppe tun. Wie das gehen soll, weiß keiner so genau. Die Reportage von Veronica Frenzel zeigt aber: irgendwie tut er genau das Richtige. (jei)

15 Min.

„Mich kann keiner doubeln“

von Stefan Willeke ✩ erschienen am 30.08.2012

Rainer Calmund ist ein Schwergewicht – auch medial. Ausführlich listet ZEIT-Autor Stefan Willeke in ihrem Portrait die Aktivitäten des ehemaligen Fußball-Managers auf. Talkshows, Vorträge und ein halbes Dutzend Werbeverträge beschäftigen Rainer Calmund, lassen ihn selten zur Ruhe kommen. Schnell wird klar: Der Allrounder Calmund lebt und liebt den medialen Trubel um ihn. Eine liebevolle Geschichte über einen Mann, der nach dem Ende seiner Karriere erst richtig aufdreht und über eine Gesellschaft, die hierfür die ideale Bühne bietet. (lubi)

30 Min.

Sein Krieg geht weiter

von Lara Fritzsche ✩ erschienen am 30.08.2012

Für Scott Ostrom ist es, als wäre sein Körper nie aus dem Krieg zurückgekehrt: Alltägliche Geräusche und Gerüche lösen immer wieder Flashbacks an lebendig verbrannte Kameraden und zerfetzte Zivilisten aus. Mehr als unter seiner posttraumatischen Belastungsstörung leidet der junge Irak-Veteran aber unter etwas anderem: dass der Krieg, den er gekämpft hat, plötzlich falsch gewesen sein soll – und damit auch sein Töten. Lara Fritzsches Zeit-Reportage beschreibt einfühlsam, wie ein Soldat zurück zu Hause den Frieden und seine Maßstäbe schlicht nicht mehr versteht. (jei)

15 Min.