Babuschki – boom, boom!

von Christian Esch ✩ erschienen am 24.03.2012

Der Eurovision Songcontest wird vielleicht mit Gesang, aber vor allem mit viel junger Haut und Glitzer entschieden. Russland schickt in diesem Jahr dennoch Greisinnen aus einer abgelegenen Provinz in den Wettkampf. Die „Omas von Buranowo“ singen Popsongs in ihrer Muttersprache Udmurtisch und feiern unglaubliche Erfolge. Die Popindustrie liebt den neuen Hype, der Promoter der Gruppe freut sich über die PR für Udmurtien, und die Greisinnen – wollen eigentlich nur die Dorfkirche wieder aufbauen. Christian Esch schreibt in der Berliner Zeitung über die gewitzten Omas zwischen Tradition, Youtube und Kulturmanagement (jei)

15 Min.

Der Rapper mit den Puschelohren

von Anne Lena Mösken ✩ erschienen am 29.02.2012

Nette Texte statt Pornorap, eine Pandabärenmaske statt Goldkettchen: Der Rapper Cro hat einen neuen Tonfall im deutschen Hiphop etabliert. Dafür lieben ihn seine Fans. In der Reportage von Anne Lena Mösken wird deutlich, dass der Paradigmenwechsel im Deutschrap noch weiter geht. Es gibt kaum noch jemanden, der auf Beschimpfungen und sexistische Texte setzt. Stattdessen wird augenzwinkernd über junge Themen gerappt. Der deutsche Hiphop ist auf Schmusekurs. Und der 19-jährige Cro ist mittendrin. (lubi)

15 Min.

Im weißen Mercedes durch die Nacht

von Andrea Diener ✩ erschienen am 02.03.2012

Andrea Diener hat sich für die FAZ ins Beiruter Nachtleben gestürzt – und zwar mitten im Ramadan. Nicht, dass man davon viel bemerken würde in der Stadt, die vor dem Bürgerkrieg das Paris des Ostens genannt wurde. Der Krieg liegt heute Jahre zurück, das Feiern ließen sich die Beirutis selbst da nicht nehmen. So trifft die Journalistin Menschen, die fest entschlossen sind, sich zu amüsieren. Dabei ist längst nicht alles gut im Libanon: Die Gefahr eines erneuten Krieges, Korruption, Unterdrückung von Frauen und lächerlich niedrige Löhne – sie werden im halb christlichen, halb muslimischen Beirut einfach weggefeiert. Jede Nacht aufs Neue. (alx)

15 Min.

Ein Haus namens Charly

von Sebastian Höhn ✩ erschienen am 06.03.2012

Die Berliner Zeitung rekonstruiert einen mutmaßlichen Immobilienbetrug: „Privileg Massivhaus“ lockte vor allem geringverdienende Kunden mit dem Traum vom Eigenheim. Dafür stellte die Firma potenzielle Kunden schon mal als Mitarbeiter ein oder überwies vor Bonitätsprüfungen kurzfristig Geld auf ihre Konten. Kritische Berichte in den Medien und Warnungen aus der Verbraucherzentrale verhinderte die Firma mit massivem juristischen Druck. Über 100 Geschädigte stehen nun vor der Privatinsolvenz. Zwei Manager der Firma sind angeklagt, vorerst auf freiem Fuß – und haben in Süddeutschland ganz legal schon die nächsten Immobilienunternehmen gegründet. (jei)

15 Min.

Im Sumpf von Sachsen

von Jana Simon ✩ erschienen am 01.03.2012

Mandy Kopp wurde mit 16 Jahren zur Prostitution in einem Kinderbordell gezwungen. Es ist nicht sicher, ob für zehn Tage oder für mehrere Wochen. Die Spur ihres Zuhälters und die ihrer Freier führt in den „Sachsensumpf“. Ein Netzwerk aus Staatsbediensteten und Kriminellen, das für Kinderprostitution und Immobilienschwindel verantwortlich sein soll. Zwei hochrangige Richter sollen unter den Freiern gewesen sein, einer hat ihren Zuhälter gar verurteilt, gibt Kopp an. Gegen ihn wird ermittelt, doch auch sie ist angeklagt. Jana Simon schreibt für das ZEIT-Magazin über das fürchterliche Verbrechen das Mandy Kopp angetan wurde und wie es ihr Leben zu zerreißen droht. Zwanzig Jahre nach ihrer Befreiung soll nun die Wahrheit ans Licht kommen. (lat)

30 Min.

Wie ein Dorf ohne Energiekonzerne lebt

von Jochen Knoblach ✩ erschienen am 22.02.2012

Feldheim ist ein unscheinbares Dorf im brandenburgischen Niemandsland. Das Besondere: der Ort produziert seine eigene Energie. Mit Hilfe von Windrädern, einer Biogasanlage und Mais haben sich die Einwohner gegen den Widerstand ihres Stromversorgers und lokaler Skeptiker von den großen Energiekonzernen unabhängig gemacht. Das bringt nicht nur neue Arbeitsplätze und dauerhaft niedrige Wärme- und Strompreise, sondern vor allem seit Fukushima auch Besucher aus aller Welt, die wissen wollen, wie das geht mit der autarken Energie. Jochen Knoblach hat für die Berliner Zeitung ein Dorf besucht, das die Energiewende vormacht. (jei)

15 Min.

Die Franks aus Frankfurt

von Nils Minkmar ✩ erschienen am 28.02.2012

Das Tagebuch der Anne Frank ist weltberühmt, es hat sich millionenfach verkauft. Der 86-Jährige Buddy Elias ist der Chef des Anne Frank Fonds und der Sachwalter der Einnahmen. Außerdem ist er ihr Cousin. FAZ-Journalist Nils Minkmar hat Elias besucht, der früher als Clown gearbeitet hat und nun das Erbe und Ansehen von Anne Frank verwaltet. Die Menschen machen aus Anne eine Märtyrerin der Schoa, Geisteskranke melden sich bei ihm und behaupten ihre Reinkarnation zu sein. Kürzlich musste Elias einschreiten, um die Produktion von Anne-Frank-Jeans zu verbieten. Es ist keine leichte Aufgabe, doch Elias versucht ihr mit Leichtigkeit zu begegnen. (lat)

15 Min.

Der Korbflechter von Villanueva

von Shelina Islam ✩ erschienen am 22.02.2012

Die Schreckensherrschaft des Faschismus ist in Spanien seit 37 Jahren vorbei. Doch noch immer liegen etwa 150.000 Opfer der Franco-Dikatur in anonymen Massengräbern verscharrt. Die Enkel der Ermordeten brechen jetzt ihr Schweigen, sie graben die Toten aus und fordern eine Aufarbeitung der Vergangenheit. Für die Berliner Zeitung hat Shelina Islam zwei Brüder begleitet, die ihren Vater ausgraben lassen. Als der Vater ermordet wurde, waren sie Kleinkinder. Sie sagen: „Es ist das erste Mal, dass wir unseren Vater sehen.“ (lat)

15 Min.