Im ersten Kreis der Hundehölle

von Ulrich Krökel ✩ erschienen am 08.12.2011

Polens Tierheimen fehlt das Geld. Tierschützer kritisieren die Zustände in den Tierheimen seit langem und sprechen von einem Systemversagen. Jeder vierte Hund und jede dritte Katze soll in den Heimen vorzeitig sterben oder getötet werden. Seit Anfang dieses Jahres gilt in Polen ein verschärftes Tierschutzgesetz. Ulrich Krökel, Reporter der Berliner Zeitung, hat ein Tierheim besucht, das unter Tierschützen nur „Hundehölle“ genannt wird. (lat)

10 Min.

Das Experiment

von Marijke Engel ✩ erschienen am 15.01.2012

Martin Zierold ist einer von 80.000 tauben Menschen in Deutschland und der erste gehörlose Abgeordnete. Seine vier Dolmetscher wurden ihm trotz Haushaltssperre umstandslos bewilligt, aber erst im Arbeitsalltag zeigen sich die Herausforderungen – für alle Beteiligten: Die Kollegen müssen sich das schnelle Durcheinanderreden abgewöhnen, die Kommunikationsassistenten gleichzeitig Vortrag, Geplauder und Stimmung im Raum übersetzen, Zierold manchmal die Sitzordnung ändern. So wird ganz selbstverständlich eine Inklusion erprobt, die noch lange nicht selbstverständlich ist: Nicht einmal an Schulen für Gehörlose können alle Lehrer die Deutsche Gebärdensprache. (jei)

15 Min.

Was Barack mir so schreibt

von Marcus Jauer ✩ erschienen am 16.01.2012

Der FAZ-Journalist Marcus Jauer bekommt ständig Post von US-Präsident Barack Obama. Mal ist es eine Erinnerung seiner Frau zum Geburtstag zu gratulieren, mal ist es ein Dankschreiben. Dann will der Präsident, dass Jauer ein Video weiterverbreitet und Obamas Pläne zur Krankenversicherung unterstützt. Doch immer öfter pumpt Obama den Journalisten um Geld an. Der Präsident braucht einen Zuschuss für seine Wahlkampagne. Es scheint hinten und vorne nicht zu reichen. (lat)

30 Min.

Das Wunder von St. Wendel

von Philip Faigle ✩ erschienen am 11.01.2012

Die überzeugtesten Europäer in Deutschland leben in St. Wendel im Saarland – zumindest der Statistik zufolge. Nirgendwo sonst stimmten mehr Menschen zu den Europawahlen 2009 ab. ZEIT-Online-Redakteur Philip Faigle macht sich auf die Suche nach den Gründen. Er trifft auf Menschen wie es sie in der ganzen Republik gibt: Bürger, die Europa an sich für eine gute Sache halten, aber die Politiker in Brüssel verabscheuen. Die Kluft zur EU-Politik ist in St. Wendel genauso groß wie überall sonst auch in Deutschland. Warum ist die Wahlbeteiligung dann so hoch? Faigle findet einen möglichen, einen naheliegenden Grund. Er liegt nicht unbedingt in Brüssel, sondern in St. Wendel selbst. (lat)

15 Min.

Im fernen Osten

von Alexander Osang ✩ erschienen am 23.12.2011

Von Fukushima nach Marzahn ist es ein weiter Weg. Der 34-jährige Friseur Tomo Kagawa hat im Frühjahr 2011 nach Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe alles verloren. Eine deutsch-japanische Stiftung will helfen. Kagawa meldet sich und kommt nach Berlin. Doch bald löst sich die Hilfsorganisation auf und er muss sich in Berlin allein zurechtfinden. Er kommt bei einem Pärchen in Marzahn unter. Tagsüber versucht er etwas Deutsch zu lernen und arbeitet in einem Friseursalon. Der SPIEGEL-Journalist Alexander Osang hat Tomo Kagawa für seine Reportage begleitet. Außerdem zeichnet er ein Porträt über die Mechanismen des Mitleids. (lat)

30 Min.

Auf die Augen

von Gerhard Waldherr ✩ erschienen am 01.01.2011

Augenoptiker Benjamin Walther nimmt sein Handwerk ernst: Penibel überprüft er die Sehstärke seiner Kunden, misst die vielen Nebenfaktoren, die unser Sehen ausmachen. Er nimmt sich viel Zeit für seine Kunden. Damit ist er mittlerweile fast allein auf weiter Flur: Ein Großteil des Geschäftes machen große Filialketten, die über Masse statt Klasse verkaufen. Doch die Reportage von Gerhard Waldherr zeichnet kein hoffnungsloses Bild. Der kleine Optiker kann mit Qualität überzeugen und so seine Nische finden. (lubi)

10 Min.

Das „Kill“-Team

von Stefan Aust, Detlev Konnerth ✩ erschienen am 05.01.2012

Sie nannten sich das „Kill-Team“ und erschossen unschuldige Zivilisten in Afghanistan. Die fünf US-Soldaten fotografierten sich mit den Leichen ihrer Opfer, nahmen Finger als Trophäen mit. Die Bilder wurden zum Symbol für die Grausamkeit im Anti-Terror-Krieg. Die Journalisten Stefan Aust und Detlev Konnerth wollen zwei Jahre nach den Morden herausfinden, was die Soldaten antrieb. Welches Klima herrschte in der Truppe, was tolerierte die Armee, was verbot sie? Im Mittelpunkt des ZEITmagazin-Artikels steht Soldat Jeremy Morlock. Es ist das Porträt eines Mannes, der im Krieg jegliche Orientierung verloren hat. Bei näherer Betrachtung lässt sich schwer beurteilen, ob er Täter ist oder ein Täter und Opfer zugleich. (lat)

30 Min.

Der einzige Zeuge

von Thomas Schulz ✩ erschienen am 17.12.2011

Michael Graczyk hat zig Hinrichtungen erlebt. Der US-Reporter schreibt seit knapp 30 Jahren über alle Exkutionen im Bundesstaat Texas. Seine Texte sind sachlich: keine Emotionen, keine Meinung zur Todesstrafe. Für den SPIEGEL hat Thomas Schulz den Reporter getroffen und schreibt wie Graczyk seinen Beruf aushält. Der Journalist will unparteiischer Beobachter bleiben. Er sieht die Todeskandidaten, wie sie schreien, fluchen, sterben. Graczyk kannte einige von ihnen sehr gut. Trotzdem sagt er: „Es ist nur ein Job“. (lat)

15 Min.