Nerven aus Stahl

von Matthias Thieme ✩ erschienen am 25.03.2010

Pilotenkoffer, unauffälliges Auto, seriöse Visitenkarten: Nach außen wirkt Jochen Tabert wie ein ganz normaler Geschäftsmann. Doch der Schweizer hat einen gefährlichen Job: Er ist Geldkurier. Für seinen Chef, einen Halbweltboss, schmuggelt er regelmäßig Schwarzgeld über die Grenze und zahlt es auf ein Nummernkonto in der Schweiz ein. Tabert ist immer auf Achse, pendelt zwischen den Schauplätzen der internationalen Geldwäsche hin und her. Als er auch noch die Geldübergabe mit einem italienischen Mafiaclan managen soll, wird es brenzlig für ihn. (lubi)

15 Min.

Das Dorf der Strahlenarbeiter

von Cordula Meyer ✩ erschienen am 12.09.2011

Es ist ruhig geworden seit dem Atomunfall im japanischen Fukushima. Doch der Kampf gegen die Nuklearkatastrophe geht weiter. In der Nähe des Kraftwerks hat die Betreiberfirma in einem ehemaligen Stadion ein Dorf für die Strahlenarbeiter eingerichtet. Zugang streng verboten – keine Nachrichten sollen nach draußen dringen. Die Spiegel-Autorin Cordula Meyer ist dennoch in das Dorf der Strahlenarbeiter gelangt, spricht mit ihnen und fragt, warum die Männer Tag für Tag ihr Leben riskieren. Um die Rettung Japans geht es den Arbeitern meist nicht. (lat)

15 Min.

Der lange Weg zur Gerechtigkeit

von Carolin Emcke ✩ erschienen am 09.09.2011

Carolin Emcke erzählt eine Geschichte ohne Anfang und ohne Ende: Es ist die Geschichte von Grace. Einem kleinen Mädchen in Kenia, das von ihrem Nachbarn missbraucht wird. Die Mutter tut nichts, die Polizei tut nichts und auch die Behörden sind machtlos. Allein eine Hilfsorganisation nimmt sich dem verstörten Kind an. Missbrauch und Gewalt an Kindern werden in Kenia kaum geahndet, selbst wenn es entsprechende Gesetze gibt. Die Journalistin Carolin Emcke erzählt in ihrer Reportage den Einzelfall – von dem sich aufs ungeheuerliche Ganze schließen lässt. (lat)

30 Min.

„Alles kostet Geld, und auch mein Service kostet“

von Benjamin von Stuckrad-Barre ✩ erschienen am 11.09.2011

Er macht Gott zu Geld: Jahrelang flimmerte Fernsehpfarrer Jürgen Fliege über die Bildschirme der Nation. Er tröstete, predigte, betete. Nach seiner Fernsehkarriere ist Fliege eine unheilige Allianz mit der Esoterik-Industrie eingegangen. Seitdem vertreibt der Mann Gottes die “Fliege-Essenz”, angeblich geweihtes Wasser und macht Werbung für einen dubiosen 4000-Euro-Raumlüfter. Hokuspokus im Auftrag des Herrn. Autor Benjamin von Stuckrad-Barre hat den geschäftstüchtigen Seelsorger getroffen und Fliege probt die eigene Reinwaschung, die alles noch viel schlimmer macht. (lat)

15 Min.

Herrn Inces Lohn

von Mario Kaiser ✩ erschienen am 01.12.2009

Das Berufsfeld des Tagelöhners war längst tot geglaubt. Eine Reportage im Wirtschaftsmagazin brand eins zeigt, dass dem nicht so ist. Autor Mario Kaiser hat den türkischen Tagelöhner Ince begleitet, der im Gebäude der Deutschen Welle in Berlin den Teppichboden rausreißt. Eine schweißtreibende und schmutzige Arbeit, die noch dazu schlecht bezahlt wird. Doch Ince ist dennoch zufrieden. Ganz anders der deutsche Tagelöhner Menzel, der in der Geschichte geschickt als Kontrastbild aufgebaut wird. Ein spannender Blick in eine parallele Berufswelt, die nur allzu lebendig wirkt. (lubi)

30 Min.

Das wieder gewonnene Gesicht

von Kirsten Küppers ✩ erschienen am 03.07.2010

Als es nicht mehr schlimmer hätte kommen können, hat Hacer Arikan sich das Lächeln angewöhnt. 1992 wurde die junge Lehrerin von der türkischen Polizei verhaftet und halb tot gefoltert. Einen Anwalt sieht sie nicht, ein Urteil gibt es nicht. Hacer Arikan bleibt acht Jahre eingesperrt. Bei einem Attentat im Gefängnis wird ihr das Gesicht weggebrannt. Dass sie überlebt hat, dass sie lächelt, ist ein Wunder. In Deutschland soll Hacer Arikan jetzt ein neues Gesicht bekommen. Kirsten Küppers erzählt von Hoffnung und Leiden der jungen Lehrerin. (lat)

Ausgezeichnet mit dem Theodor-Wolff-Preis 2011

30 Min.

Der letzte Grantler

von Xifan Yang ✩ erschienen am 09.02.2010

Sie sind die letzten Bastionen im Szenekiez. Eckkneipen wie die von Toni im Müncher Stadtteil Maxvorstadt. Xifan Yang portraitiert den 70-jährigen Wirt als „letzten Grantler“, der zwischen Studentencafés und Bioläden ein anachronistisches Dasein fristet. Er hütet sich dabei vor falscher Romantisierung. Toni ist unfreundlich, seine Kneipe wenig einladend und noch dazu macht sie um 22 Uhr zu. Aber sie ist eben auch schon wieder kultig, ein ungeschliffenes Stück Feierabendkultur in einer immer glatter werdenden Welt. (lubi)

10 Min.

Anna und die Denkfehler

von Ulrich Bahnsen ✩ erschienen am 22.09.2011

Auf den ersten Blick sieht man Anna es nicht an. Sie scheint ein ganz normales zwölfjähriges Mädchen. Anna ist geistig behindert. Schuld ist ein genetischer Defekt. Bei Anna ist es ein Bruchteil der genetischen Information, die beschädigt ist. Diese Defekte lassen sich nur schwer erkennen. Forscher haben nun eine umfangreiche Studie vorgestellt wie diese Defekte besser ermittelt werden können. ZEIT-Journalist Ulrich Bahnsen schreibt in seinem Feature über das Leben von Anna und was es hilft, wenn sich der Gendefekt benennen lässt. (lat)