Lebenslänglich

von Maxim Leo ✩ erschienen am 28.11.2011

Maxim Leo erzählt in der Berliner Zeitung vom Leben eines Gulag-Kindes: Die Eltern von Alex Glesel kehren 1931 Deutschland den Rücken, um in der Sowjetunion den Kommunismus mit aufzubauen. Stattdessen trifft sie die volle Härte der stalinistischen „Säuberungen“: Der Vater wird ermordet, die Mutter mehrfach verhaftet und verschleppt. Glesel selbst kommt erst ins Heim und während des Krieges als „deutscher Faschist“ ins Arbeitslager. Vorerst lebenslänglich, wie es heißt. Schließlich darf er doch ausreisen – in ein Land, dessen Führung seine Geschichte mitgeschrieben hat, aber davon nichts wissen will: die DDR. (jei)

30 Min.

Im Schneckenhaus

von Carl D. Goerdeler ✩ erschienen am 01.12.2008

Wer auf einem Kreuzfahrtschiff mitfährt, sucht kein Abenteuer, sondern Geborgenheit. „Glück durch Geborgenheit“, auf diese einfache Formel bringt es auch Carl D. Goerdeler in seiner Reportage für brand.eins. Zwischen den verschiedenen Mahlzeiten an Bord liegen kaum mehr als zwei Stunden, nur unerfahrene Kreuzfahrer verlassen das Schiff noch zum Landausflug in die lästige Außenwelt. Stattdessen Müßiggang auf dem Promenadendeck. Dauerfahrer umrunden so Jahr um Jahr die Welt. Das Kreuzfahrtschiff als ihr Kokon – und täglich grüßt der Kapitän. (lubi)

30 Min.

Obamas Schande

von Carolin Emcke ✩ erschienen am 12.01.2012

Seit zehn Jahren kämpfen Anwälte, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, für die Rechte der überwiegend unschuldig inhaftierten Insassen von Guantanamo. Obamas Wahlkampfversprechen, das Lager zu schließen, weckte große Hoffnungen, doch längst sind die Verteidiger ernüchtert: Es ist schon ein Erfolg, wenn ein Inhaftierter die am wenigsten quälende Methode der Zwangsernährung wählen darf. Entlassungen sind nach wie vor unwahrscheinlich. Carolin Emcke erzählt von Anwälten, die ihren Kampf für die Gefangenen zum Teil aus eigener Tasche bezahlen, und zeichnet die Geschichte einer rechtsstaatlichen Entgleisung nach, die zum System zu werden droht. (jei)

45 Min.

Im ersten Kreis der Hundehölle

von Ulrich Krökel ✩ erschienen am 08.12.2011

Polens Tierheimen fehlt das Geld. Tierschützer kritisieren die Zustände in den Tierheimen seit langem und sprechen von einem Systemversagen. Jeder vierte Hund und jede dritte Katze soll in den Heimen vorzeitig sterben oder getötet werden. Seit Anfang dieses Jahres gilt in Polen ein verschärftes Tierschutzgesetz. Ulrich Krökel, Reporter der Berliner Zeitung, hat ein Tierheim besucht, das unter Tierschützen nur „Hundehölle“ genannt wird. (lat)

10 Min.

Das Experiment

von Marijke Engel ✩ erschienen am 15.01.2012

Martin Zierold ist einer von 80.000 tauben Menschen in Deutschland und der erste gehörlose Abgeordnete. Seine vier Dolmetscher wurden ihm trotz Haushaltssperre umstandslos bewilligt, aber erst im Arbeitsalltag zeigen sich die Herausforderungen – für alle Beteiligten: Die Kollegen müssen sich das schnelle Durcheinanderreden abgewöhnen, die Kommunikationsassistenten gleichzeitig Vortrag, Geplauder und Stimmung im Raum übersetzen, Zierold manchmal die Sitzordnung ändern. So wird ganz selbstverständlich eine Inklusion erprobt, die noch lange nicht selbstverständlich ist: Nicht einmal an Schulen für Gehörlose können alle Lehrer die Deutsche Gebärdensprache. (jei)

15 Min.

Was Barack mir so schreibt

von Marcus Jauer ✩ erschienen am 16.01.2012

Der FAZ-Journalist Marcus Jauer bekommt ständig Post von US-Präsident Barack Obama. Mal ist es eine Erinnerung seiner Frau zum Geburtstag zu gratulieren, mal ist es ein Dankschreiben. Dann will der Präsident, dass Jauer ein Video weiterverbreitet und Obamas Pläne zur Krankenversicherung unterstützt. Doch immer öfter pumpt Obama den Journalisten um Geld an. Der Präsident braucht einen Zuschuss für seine Wahlkampagne. Es scheint hinten und vorne nicht zu reichen. (lat)

30 Min.

Das Wunder von St. Wendel

von Philip Faigle ✩ erschienen am 11.01.2012

Die überzeugtesten Europäer in Deutschland leben in St. Wendel im Saarland – zumindest der Statistik zufolge. Nirgendwo sonst stimmten mehr Menschen zu den Europawahlen 2009 ab. ZEIT-Online-Redakteur Philip Faigle macht sich auf die Suche nach den Gründen. Er trifft auf Menschen wie es sie in der ganzen Republik gibt: Bürger, die Europa an sich für eine gute Sache halten, aber die Politiker in Brüssel verabscheuen. Die Kluft zur EU-Politik ist in St. Wendel genauso groß wie überall sonst auch in Deutschland. Warum ist die Wahlbeteiligung dann so hoch? Faigle findet einen möglichen, einen naheliegenden Grund. Er liegt nicht unbedingt in Brüssel, sondern in St. Wendel selbst. (lat)

15 Min.

Im fernen Osten

von Alexander Osang ✩ erschienen am 23.12.2011

Von Fukushima nach Marzahn ist es ein weiter Weg. Der 34-jährige Friseur Tomo Kagawa hat im Frühjahr 2011 nach Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe alles verloren. Eine deutsch-japanische Stiftung will helfen. Kagawa meldet sich und kommt nach Berlin. Doch bald löst sich die Hilfsorganisation auf und er muss sich in Berlin allein zurechtfinden. Er kommt bei einem Pärchen in Marzahn unter. Tagsüber versucht er etwas Deutsch zu lernen und arbeitet in einem Friseursalon. Der SPIEGEL-Journalist Alexander Osang hat Tomo Kagawa für seine Reportage begleitet. Außerdem zeichnet er ein Porträt über die Mechanismen des Mitleids. (lat)

30 Min.