Vangelis und der dicke Max

von Anne Hähnig ✩ erschienen am 09.06.2012

Griechenland steht für viele Deutsche nur noch für Schuldenkrise. Und die Griechen sehen in den Deutschen nur noch knausrige Schuldeneintreiber. Griechische Zeitungen zeigten Kanzlerin Merkel in Nazi-Uniform, Demonstranten verbrannten die deutsche Flagge. Der Tourismus hat gelitten. Kurz: Das Verhältnis ist momentan nicht das Beste. FAZ-Autorin Anne Hähnig ist in einem All-Inclusive-Hotel auf Kreta eingecheckt und schreibt über die Urlaubsstimmung im Krisenland. (lat)

15 Min.

Wie ich fünf Prostituierte in Osteuropa kaufte, ohne es zu merken

von Felix Nicklas ✩ erschienen am 01.06.2012

Im Stil des Gonzo-Journalismus (Hunter S. Thompson!) schildert der Reporter Felix Nicklas eine Reise nach Riga. Der Ausflug in die lettische Hauptstadt wird für ihn und seinen Fotografen „Grey“ zum üblen Trip. In einer Striptease-Bar spendieren die beiden großzügig Drinks– ohne auf die Preisliste zu schauen. Als die Rechnung kommt, folgt das böse Erwachen. Im O-Ton: „“Entsetzen, schieres kaltes Entsetzen, überkam mich. Es ist dieses spezielle Gefühl, das sich nur dann einstellt, wenn man merkt, dass man richtig am Arsch ist.“ Gemeinsam mit dem bulligen Türsteher des Etablissements geht es zum Bezahlen an den Geldautomaten. Eine verrückte Reise durch die Nacht, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu verschwimmen scheinen. (lubi)

10 Min.

Stirb langsam

von Sacha Batthyany ✩ erschienen am 25.05.2012

Ein Russe tot, sein finnischer Rivale schwer verletzt im Koma. Es ist das bizarre Ende der Sauna-Weltmeisterschaft in Heinola, Finnland. Anhand von Interviews und dem Polizeibericht entwirft Sacha Batthyany das Bild einer Saunakultur, in der das Aufgeben und ins Freie gehen nicht in Frage kommt – und in der zwei Männer schwitzend mit dem Tod ringen. (lubi)

Die Herren des Weltbilds

von Harald Staun, Peter Körte ✩ erschienen am 03.06.2012

Wenn an diesem Freitag, den 8. Juni 2012 die Fußball-Europameisterschaft startet, dann handelt es sich eigentlich um eine Privatveranstaltung der UEFA. Der Verein gibt die Regeln vor, sagt wer wo und wie lange mit den Spielern sprechen darf und welche Kamera-Perspektiven im Stadion erlaubt sind. Großzügig gestattet sie den Fans das kollektive Jubeln. Für ihren Artikel werfen Harald Staun und Peter Körte einen Blick in das Reglement der UEFA – und entdecken allerlei Merkwürdigkeiten, die am Weltbild des Fußballverbandes zweifeln lassen. (lubi)

Die Berliner Tafel

von Reinhard Bingener ✩ erschienen am 01.04.2012

Einige nennen sie schlicht die Mitesser. Gemeint sind Personen, die sich von Buffet zu Buffet durchschlagen. Sie besuchen Vorträge, Eröffnungen und Diskussionsrunden nur wegen dem Essen. In der Hauptstadt finden tausende derartiger Empfänge pro Monat statt. Einige Buffetgänger sind immer da, fachsimpeln über die Berliner Gratisverköstigung und gehen gar nicht mehr im Supermarkt einkaufen. FAZ-Journalist Reinhard Bingener hat ein amüsantes Porträt über das ausgeklügelte System der Vorteilsnahme und der Vorteilsgewährung und über die Szene der Eventisten geschrieben. (lat)

15 Min.

Die Verwandlung der Sahra Wagenknecht

von Jörg Schindler ✩ erschienen am 29.05.2012

Stalin-Domina und Njet-Maschine sind nur zwei der hässlichsten Beschimpfungen: lange Zeit galt Sahra Wagenknecht sogar wenig gemäßigten Genossen als fast schon zu radikal, inzwischen kann die linke Politikerin nicht mal mehr Frank Schirrmacher von der FAZ so wirklich provozieren. Das Portrait von Jörg Schindler in der Berliner Zeitung verfolgt den Weg der unnahbaren Wagenknecht in die politische Mitte. Dabei zeigt sich: in Zeiten von Wirtschaftskrisen und Sozialstaatsabbau ist es eher die bürgerliche Mitte, die sich Wagenknechts Überzeugungen angenähert hat – und nicht umgekehrt. (jei)

Das dritte Lidice

von Kilian Kirchgeßner ✩ erschienen am 27.05.2012

Nachdem Lidice zerstört worden war, wurde der Ort über sechzig Jahre eingefroren und zum Museum seiner selbst gemacht. Nichts durfte sich dort verändern, mahnen sollte er, mit den wenigen Überlebenden als Museumshütern. Denn die Nazis hatten Rache gewollt für das einzige Attentat, das Widerstandskämpfern je geglückt war. Und es erwischte diesen Ort. Er wurde zerstört, die Menschen entweder sofort umgebracht oder erst verschleppt und dann umgebracht. Jetzt ziehen auf einmal wohlhabende Städter aus Prag ein – und machten das 460-Seelen-Fleckchen zu einem Vorort von Prag wie jeden anderen. Wären da nicht die Straßen, die fast alle an die Nazi-Gräuel erinnern, und die Busse, die in der Gedenkstätte am Rande des Dorfs im Jahr über 50.000 Touristen ausspucken und wieder einsammeln. (alx)

15 Min.

Armee der Unsichtbaren

von Günter Wallraff ✩ erschienen am 31.05.2012

Es ist brutale Ausbeute, daran lässt Undercoverjournalist Günter Wallraff keinen Zweifel. Der Reporter hat verdeckt bei GLS als Paketbote gearbeitet. Täglich schleppte er  12 bis 14 Stunden lang Pakete. Für ihre Arbeit kriegen die Paketboten nur fünf Euro, auch Freizeit bleibt kaum. Bei vielen Paketzustellern bleibt das Privatleben auf der Strecke. Nach drei, vier Jahren im Job sind sie ausgebrannt. Wallraff beschreibt die Arbeit bei GLS als ein modernes Sklaventum, dem die Logistikunternehmen Milliardengewinne zu verdanken haben (lat).

30 Min.