Auf die Augen

von Gerhard Waldherr ✩ erschienen am 01.01.2011

Augenoptiker Benjamin Walther nimmt sein Handwerk ernst: Penibel überprüft er die Sehstärke seiner Kunden, misst die vielen Nebenfaktoren, die unser Sehen ausmachen. Er nimmt sich viel Zeit für seine Kunden. Damit ist er mittlerweile fast allein auf weiter Flur: Ein Großteil des Geschäftes machen große Filialketten, die über Masse statt Klasse verkaufen. Doch die Reportage von Gerhard Waldherr zeichnet kein hoffnungsloses Bild. Der kleine Optiker kann mit Qualität überzeugen und so seine Nische finden. (lubi)

10 Min.

Das „Kill“-Team

von Stefan Aust, Detlev Konnerth ✩ erschienen am 05.01.2012

Sie nannten sich das „Kill-Team“ und erschossen unschuldige Zivilisten in Afghanistan. Die fünf US-Soldaten fotografierten sich mit den Leichen ihrer Opfer, nahmen Finger als Trophäen mit. Die Bilder wurden zum Symbol für die Grausamkeit im Anti-Terror-Krieg. Die Journalisten Stefan Aust und Detlev Konnerth wollen zwei Jahre nach den Morden herausfinden, was die Soldaten antrieb. Welches Klima herrschte in der Truppe, was tolerierte die Armee, was verbot sie? Im Mittelpunkt des ZEITmagazin-Artikels steht Soldat Jeremy Morlock. Es ist das Porträt eines Mannes, der im Krieg jegliche Orientierung verloren hat. Bei näherer Betrachtung lässt sich schwer beurteilen, ob er Täter ist oder ein Täter und Opfer zugleich. (lat)

30 Min.

Der einzige Zeuge

von Thomas Schulz ✩ erschienen am 17.12.2011

Michael Graczyk hat zig Hinrichtungen erlebt. Der US-Reporter schreibt seit knapp 30 Jahren über alle Exkutionen im Bundesstaat Texas. Seine Texte sind sachlich: keine Emotionen, keine Meinung zur Todesstrafe. Für den SPIEGEL hat Thomas Schulz den Reporter getroffen und schreibt wie Graczyk seinen Beruf aushält. Der Journalist will unparteiischer Beobachter bleiben. Er sieht die Todeskandidaten, wie sie schreien, fluchen, sterben. Graczyk kannte einige von ihnen sehr gut. Trotzdem sagt er: „Es ist nur ein Job“. (lat)

15 Min.

Dem UFO auf der Spur

von Bernhard Honnigfort ✩ erschienen am 05.01.2012

Für Alexander Knörr ist die Wahrheit nicht „irgendwo da draußen“, sondern mitten unter uns: in der deutschen Provinz. Der Vorsitzende und Fallermittler der Deutschsprachigen Gesellschaft für UFO-Forschung geht Meldungen von unerklärlichen Himmelsphänomenen nach und reist dafür in seiner Freizeit durch die ganze Republik. Knörr gehört einem zwischen „Believern“ und „Skeptikern“ tief gespaltenen Mikrokosmos aktiver Ufologen an. Als gemäßigter Aliensucher glaubt er zwar nicht wie einige andere an die extraterrestrische Herkunft Angela Merkels, ist sich aber sicher: Die Außerirdischen waren längst hier. Das erstaunlichste an dieser Überzeugung: Offenbar teilt er sie mit einem nicht unerheblichen Teil der deutschen Bevölkerung. (jei)

15 Min.

Sozialarbeiter für Superreiche

von Annabelle Seubert ✩ erschienen am 25.12.2011

Butler John kümmert sich um die Super-Reichen. Er chauffiert sie, er holt ihnen die Zeitung und leistet ihnen Gesellschaft. Für John, der mit richtigen Namen Klaus John Weber heißt, geht es bei seinem Job um mehr als Geld. Er sammelt Menschen, er sieht es als Herausforderung ihnen zu dienen und ihre Persönlichkeit kennenzulernen. Dabei ist John selbst ein Mann mit vielen Eigenschaften: Er hat studiert, mal als Übersetzer, Lehrer und als Nachtkellner im Bordell gearbeitet. Zwischendurch hat er sieben Kinder mit sieben Frauen gezeugt. Zum Schluss entschied er sich für ein Leben als Diener. (lat)

10 Min.

Was tun wir da?

von Kathrin Passig ✩ erschienen am 23.12.2011

Die Journalistin Kathrin Passig ist eine erfahrene Mikrokreditgeberin: 146-mal hat sie über die Plattform Kiva.org Menschen in Entwicklungsländern mit kleinen Beträgen aus der Klemme geholfen. Mal sponserte sie Süßwarenhändler, dann Hersteller von Fusselrollen oder Automechaniker. Ihr Artikel gibt einen interessanten Einblick hinter die Kulissen des Mikrokredit-Geschäftes: Weil viele Spender aus dem Westen lieber Frauen unterstützen, gibt es viele Strohfrauen, die eigentlich Geld für ihre Männer sammeln. Selbständige Frauen eröffnen häufig Schönheitssalons oder stellen Kunsthandwerk her – eben das, was sie aus ihrem Alltag auch kennen. Passig zeigt viele Widersprüche des Mikrokreditwesens auf und gesteht sich am Ende selbst ein: Ob ihre Zuwendungen wirklich helfen, weiß sie auch nicht. (lubi)

30 Min.

Hand in Hand in verschiedenen Welten

von Friederike Böge, Hasrat-i-Sultan ✩ erschienen am 30.12.2011

Hauptmann Michael Vogt hält auch mal Händchen, wenn es der Vertrauensbildung dient. Der deutsche Militärberater ist in Afghanistan stationiert. Seine Aufgabe: ein Vertrauensverhältnis zu afghanischen Militäroffizieren aufbauen. Dafür trifft sich Vogt privat mit Offizieren, spielt Schach mit ihnen und geht auch mal Hand in Hand mit ihnen spazieren. Das gilt als Geste der Kameradschaft. Vogt soll die oftmals älteren Offiziere beraten, wie sie ihre Einheiten führen. Keine leichte Aufgabe. Für ihn liegt das Problem in der Organisation und im Management. Seine afghanischen Kollegen sehen das anders und wünschen sich vor allem mehr Waffen. (lat)

10 Min.

Die Gottesvergiftung

von Martin Gehlen ✩ erschienen am 30.12.2011

Frauen sind Menschen zweiter Klasse in Saudi-Arabien. Sie dürfen nicht autofahren, sie dürfen nicht allein reisen und brauchen immer die Erlaubnis ihrer Väter, Ehemänner und Söhne. Doch seit dem Arabischen Frühling ist etwas in Bewegung geraten in Saudi-Arabien. Junge, gut ausgebildete Frauen vernetzen sich über das Internet und wehren sich gegen die Vorgaben religiöser Fundamentalisten. Die Frauen wollen über Menschenrechte, Politik, Freiheit diskutieren – und ihr Land verändern. Tagesspiegel-Korrespondent Martin Gehlen schreibt über die Lebenswelt der Frauen im Gottesstaat und über die Angst der Männer (lat)

15 Min.