Die letzten Tage von Schlecker

von Rudolf Novotny ✩ erschienen am 24.03.2012

Wenn es 30% Rabatt gibt, werden Menschen gierig. Für die anderen heißt es dann, freundlich bleiben, auch wenn es demütigend wird. Die anderen, das sind zwei Verkäuferinnen in ihren letzten Tagen bei Schlecker, die Rudolf Novotny in einer Filiale im Prenzlauer Berg besucht hat. Eines Tages erhielten sie ohne Vorwarnung ein Fax, das ihnen die Schließung eröffnete. Das war alles, Gespräche gab es nicht. Seither kämpfen sie nicht nur mit der Herablassung sondern auch mit dem Mitleid der Kunden. Und gegenüber thront die Biodrogerie, Verkörperung des Lebensgefühls, das Schlecker schließlich den Garaus gemacht hat. Das aber nur bis maximal 30% Rabatt haltbar ist. (alx)

15 Min.

Die Schläge hatten so eine Wucht, dass ich mit dem Kopf gegen die Wand flog

von Christine Holch ✩ erschienen am 28.03.2012

Christine Holch schreibt in Chrismon über die Berns: das Akademikerpaar hat drei Kinder, sie ist erfolgreiche Rechtsanwältin, er Arzt – und über Jahrzehnte misshandelt er seine Ehefrau, später auch die Kinder. Die Reportage räumt mit dem Mythos auf, dass Gewalt in Beziehungen ein Unterschichtsphänomen sei, und versucht eine Antwort auf die Frage, warum Frauen bei gewalttätigen Männern bleiben: Als Elisa Bern ihren späteren Ehemann kennen lernt, ist sie noch geschmeichelt von seiner Aufmerksamkeit und Fürsorge. Später wundert sie sich über seine Eifersucht, dann über seinen Jähzorn. Als es soweit ist, dass er sie isoliert, ihr Geld kontrolliert und sie regelmäßig zusammenschlägt, hat sie schon nicht mehr die Kraft zu gehen. (jei)

15 Min.

Der Nabel ihrer Welt

von Anita Blasberg ✩ erschienen am 17.05.2010

Die Jungs aus dem Wedding spielen im Käfig so oft Fußball wie sie nur können. Ihr Herkunft, ihre Vorstrafen – all das ist auf dem Bolzplatz unwichtig. Was zählt: wer foult, entschuldigt sich, wer jünger ist, respektiert die Älteren, wer am besten spielt, hat Recht. Auf diesem Bolzplatz haben früher die Fußballbrüder Kevin-Prince und Jérome Boateng gespielt. Hier entwickelten sie ihre Technik und ihren unberechenbaren Stil. Sie sind dem Wedding mit seiner Kriminalität und Armut entkommen, nun spielen sie in der Profiliga. Viele Jungen auf dem Bolzplatz träumen davon, es den Boatengs gleich zu tun. Doch die Realität des Weddings holt sie immer wieder ein. (lat)

15 Min.

Die Opokus von nebenan

von Henning Sussebach ✩ erschienen am 07.05.2009

Vater Opoku putzt die Oper, Mutter Opoku das Einkaufszentrum. Beide sind aus Ghana nach Deutschland gekommen, eigentlich nur aus einem Grund: ihre Kinder sollen es einmal besser haben. Sie sollen nicht putzen, sie sollen zur Schule gehen. Am liebsten sähe Vater Opoku es, wenn seine drei Söhne einmal Ärzte, Juristen oder Geschäftsmänner werden. Alles sollen sie werden, nur nicht das, was er ist: eine Putzkraft aus Afrika, kaum der deutschen Sprache mächtig. Aus diesem Grund schickt Familie Opoku – auch wenn das Geld knapp ist – ihre Kinder auf die Privatschule. ZEIT-Journalist Henning Sußebach begleitet die Opokus. Empathisch schreibt er über die Hoffnungen der Eltern und den Erfolgsdruck der Söhne. Letztlich ist es auch eine Geschichte über das Ankommen in einem fremden Land. (lat)

30 Min.

Gefangen in Freiheit

von Nicola Abé ✩ erschienen am 07.02.2011

Auf der norwegischen Insel Bastøy sind die Gefangenen so frei wie nirgendwo sonst. Es gibt keine Mauern, keine Schließer: Die Insel gilt als einer der liberalsten Gefängnisse Europas. Doch gerade das wird für einen Insassen zum Problem. Spiegel-Reporterin Nicola Abé berichtet über einen Gefangenen, dem die Freiheit einfach zu viel wurde. (lat)

15 Min.

Harry Potter und der Strand der Superhupen

von Leif Randt ✩ erschienen am 08.03.2012

Mallorca und die Deutschen, das ist ein Phänomen der 90er Jahre. Gibt es den Ballermann eigentlich noch? Für seinen Artikel in der ZEIT begibt sich der Autor Leif Randt mit zwei Freunden auf einen Selbsterfahrungstrip nach El Arenal. Er feiert unter Deutschen und fühlt sich doch außen vor. Obwohl ihn nur wenige Jahre von der aktuellen Party-Generation trennen, fällt er auf wie ein Zauberlehrling in einer entzauberten Welt. Eine ernüchternde und dennoch sehr unterhaltsame Reportage. (lubi)

15 Min.

Bachblüten

von Friederike Haupt ✩ erschienen am 11.03.2012

Helmut Bachs Bühne ist die B-Ebene. Der pensionierte Lehrer ist Straßenmusiker und spielt Tag für Tag auf einem U-Bahnhof in Frankfurt. Seit 35 Jahren geigt Bach an diesem Ort. Früher war es dort schmutziger, die Leute hatten noch keine iPods und keine Kopfhörer in den Ohren. Sie blieben stehen und hörten dem Geiger zu, interessierten sich, ob der Straßenmusiker gut oder nur mittelgut spielte. Friederike Haupt portraitiert für die FAZ einen Mann, der seine Rettung in der Musik gefunden hat. (lat)

15 Min.

Frau Zimmermann zieht um

von Jennifer Wilton ✩ erschienen am 06.03.2012

Frau Zimmermann nimmt nicht nur Abschied von ihrer Wohnung. Es ist ein Abschied von ihrem alten Leben. Die 84-Jährige hat beschlossen in ein Altenheim zu ziehen: Ihr Mann ist tot, Kinder gibt es keine und sie merkt, allein schafft sie es nicht mehr. Sie muss ihre Wohnung im Süden Berlins räumen, in der sie 57 Jahre lang gelebt hat. Immer wieder kehrt Zimmermann in die Wohnung zurück. Sie muss entscheiden, was weg kann und was bleibt. WELT-Reporterin Jennifer Wilton begleitet sie und blickt mit Frau Zimmermann auf ihr Leben zurück. (lat)

30 Min.