Das wieder gewonnene Gesicht

von Kirsten Küppers ✩ erschienen am 03.07.2010

Als es nicht mehr schlimmer hätte kommen können, hat Hacer Arikan sich das Lächeln angewöhnt. 1992 wurde die junge Lehrerin von der türkischen Polizei verhaftet und halb tot gefoltert. Einen Anwalt sieht sie nicht, ein Urteil gibt es nicht. Hacer Arikan bleibt acht Jahre eingesperrt. Bei einem Attentat im Gefängnis wird ihr das Gesicht weggebrannt. Dass sie überlebt hat, dass sie lächelt, ist ein Wunder. In Deutschland soll Hacer Arikan jetzt ein neues Gesicht bekommen. Kirsten Küppers erzählt von Hoffnung und Leiden der jungen Lehrerin. (lat)

Ausgezeichnet mit dem Theodor-Wolff-Preis 2011

30 Min.

Der letzte Grantler

von Xifan Yang ✩ erschienen am 09.02.2010

Sie sind die letzten Bastionen im Szenekiez. Eckkneipen wie die von Toni im Müncher Stadtteil Maxvorstadt. Xifan Yang portraitiert den 70-jährigen Wirt als „letzten Grantler“, der zwischen Studentencafés und Bioläden ein anachronistisches Dasein fristet. Er hütet sich dabei vor falscher Romantisierung. Toni ist unfreundlich, seine Kneipe wenig einladend und noch dazu macht sie um 22 Uhr zu. Aber sie ist eben auch schon wieder kultig, ein ungeschliffenes Stück Feierabendkultur in einer immer glatter werdenden Welt. (lubi)

10 Min.

Anna und die Denkfehler

von Ulrich Bahnsen ✩ erschienen am 22.09.2011

Auf den ersten Blick sieht man Anna es nicht an. Sie scheint ein ganz normales zwölfjähriges Mädchen. Anna ist geistig behindert. Schuld ist ein genetischer Defekt. Bei Anna ist es ein Bruchteil der genetischen Information, die beschädigt ist. Diese Defekte lassen sich nur schwer erkennen. Forscher haben nun eine umfangreiche Studie vorgestellt wie diese Defekte besser ermittelt werden können. ZEIT-Journalist Ulrich Bahnsen schreibt in seinem Feature über das Leben von Anna und was es hilft, wenn sich der Gendefekt benennen lässt. (lat)

…und der geliebte Führer lässt Erdbeeren anbauen

von Bernhard Bartsch ✩ erschienen am 01.09.2011

Karl Fall ist Gartenbauer und Entwicklungshelfer – und zwar in Nordkorea. Von den Schwierigkeiten in der Diktatur den Menschen unbürokratisch zu helfen, erzählt die Reportage von Bernhard Bartsch für das Wirtschaftsmagazin brand eins. Noch immer hungern viele Nordkoreaner, weil ein Großteil des Staatsbudgets in das Militär und den Prunk der Herrschaftselite fließt. Statt großer Entwicklungsprogramme setzen die Welthungerhilfe und ihr Vertreter Karl Fall auf pragmatische Hilfe vor Ort. In Gewächshäusern ziehen sie gemeinsam mit Koreanern Gemüse für viele tausend Menschen groß. Ganz nebenbei auch die titelgebenden Erdbeeren, die auf dem Schwarzmarkt verkauft werden. Nur mit solchen persönlichen Anreizen, so Karl Fall, motiviere man die Menschen engagiert mitzuarbeiten. (lubi)

30 Min.

Lothar, c’est moi

von Bastian Obermaier ✩ erschienen am 16.09.2011

Es gab eine Zeit in der gehörte Lothar Matthäus die Welt: Er hatte in fünf Weltmeisterschaften gespielt und die deutsche Mannschaft zum Titel geführt. Spitzenvereine wie Bayern München und Inter Mailand verpflichteten ihn. Kinder klebten sein Abziehbildchen in ihre Hefte. All das ist lange her, in den letzten 15 Jahren hat Matthäus sich selbst demontiert. Vier mal hat er geheiratet, vier mal hat er sich geschieden. Keinen Trainerjob hat er länger als ein Jahr behalten. Zum Schluss spielte er sogar Fußball zur Unterhaltung von Diktatoren. All das soll anders werden. Der Reporter Bastian Obermaier hat Lothar Matthäus ein halbes Jahr lang begleitet. Ob Matthäus den Wiederaufstieg schafft, ist danach fraglicher als je zuvor. (lat)

15 Min.

Beppes Welt

von Mischa Täubner ✩ erschienen am 01.09.2011

Italienische Bürgermeister können per Gesetz ihres Amtes enthoben werden, wenn es Hinweise auf Verbindungen zur Mafia gibt. In Süditalien eigentlich eine gute Sache, sollte man meinen. Das Land ist vom organisierten Verbrechen durchsetzten. Doch Mischa Täubner macht in seinem Text deutlich, dass die moralische Skala von Gut und Böse hier nicht immer funktioniert. Zwei suspendierte Bürgermeister stellt er gegenüber. Beide wollten den wirtschaftlichen Aufschwung für ihre Stadt. Während Vincenzo Cenname seine Gemeinde zum Vorreiter bei der Abfallentsorgung machte und Projekte auf konfisziertem Mafialand startete, spekulierte der titelgebende Guiseppe „Beppo“ Corcione mit Ackerland, welches kurze Zeit später unter seiner Führung zu wertvollem Bauland wurde. Doch wer hat es gut gemeint und wer ist bloß Marionette der Mafia? Stimmungsvoll führt uns der Autor in eine Region, die von bleierner Trägheit und Stagnation beherrscht wird. (lubi)

30 Min.

Der Cowboy und sein Crack

von Friederike Ott ✩ erschienen am 03.10.2011

Woodstock – das klingt nach Freiheit, Rock’n’Roll und Sex. In dieser Reportage ist es jedoch der Name eines Seniorenheims für gealterte Junkies im niederländischen Den Haag. Die Bewohner sind nicht von den Drogen weggekommen und schaffen das im Alter auch nicht mehr. Da ist der schwer Drogenabhängige Marcel Pronk, den alle wegen seines Huts nur Cowboy nennen und der von seinem 84-jährigen Vater “alter Mann” genannt wird. Und da ist Ginny Alexander, die schöne Pläne für ein neues Leben schmiedet und wegen der Drogen doch nur wieder auf dem Strich landet. (lat)

30 Min.

Vertraute Kulisse

von Claas Relotius ✩ erschienen am 11.10.2011

Nichts ist wie es scheint in Hogewei. Im Supermarkt braucht man nicht bezahlen, der Gärtner ist eigentlich ein Betreuer. Das niederländische Hogewei ist ein Pflegezentrum für Demenzkranke – und ein einzigartiges Siedlungsprojekt. In dem Zentrum sollen die Patienten in einer vertrauten Kulisse so selbstständig wie möglich leben. Deshalb gibt es eigens einen Supermarkt, ein Café und ein Restaurant. Die Patienten sind umgeben von Pflegern und Betreuern, die alle eine andere Rolle spielen. Dieses Theater führt in der Betreuung zu erstaunlichen Ergebnissen. Autor Claas Relotius hat sich das Projekt für seine Reportage im ZEIT Wissen-Magazin angeschauen. (lat)

15 Min.